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Corona und die ärztliche Abrechnung

Richtig abrechnen in der Ausnahmesituation

Wir geben Ihnen einen Überblick, welche Besonderheiten sich nun für Ihre Abrechnung ergeben.

Welche Patienten getestet werden sollen

Welche Patienten auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet werden sollen, treffen Sie auf Basis der Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI), die fortlaufend aktualisiert werden:

  1. Akute respiratorische Symptome und Kontakt zu einer infizierten Person in den letzten 14 Tagen
  2. Klinische oder radiologische Hinweise auf eine virale Pneumonie im Zusammenhang mit einer Fallhäufung in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern
  3. Klinische oder radiologische Hinweisen auf eine virale Pneumonie ohne Hinweis auf eine andere Ursache
  4. Akute respiratorische Symptome bei Risikogruppen (Alter über 60, immunsupprimiert, onkologische Behandlung etc.) oder Beschäftigten im Pflegebereich, in Arztpraxen oder Krankenhäusern
  5. Nur bei ausreichender Testverfügbarkeit: akute respiratorische Symptomen ohne Risikofaktoren

Die Konstellationen 1 und 2 gelten als begründeter Verdachtsfall und müssen dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.

Haben Sie anhand dieser Kriterien entschiedenen, dass ein Test medizinisch sinnvoll ist, werden die Kosten von den Krankenkassen getragen.

Kennzeichnung

Fälle, bei denen ein klinischer Verdacht vorliegt oder eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, kennzeichnen Sie mit der Ziffer 88240. Dies gilt auch, wenn der Patient durch die Terminservicestelle vermittelt wurde.

Meldepflicht

Sie müssen alle begründeten Verdachtsfälle an das Gesundheitsamt melden sowie alle bestätigten Infektionen. Meldepflichtig sind der Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung sowie der Tod in Bezug auf eine Infektion, die durch das Coronavirus hervorgerufen wird.

Vergütung

Die mit der Symbolziffer 88240 gekennzeichneten Leistungen werden seit dem 1. Februar in voller Höhe extrabudgetär bezahlt.

Seit dem 01. April muss die Ziffer 88240 an allen Tagen eingetragen werden, an denen der Patienten wegen des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder wegen einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus behandelt. Im Einzelnen wird dann Folgendes extrabudgetär vergütet:

  • alle Leistungen, die an den betreffenden Tagen für den Patienten erbracht wurden
  • die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale, auch wenn sie nicht an diesen gekennzeichneten Tagen abgerechnet wurde
  • die Zusatzpauschale für Pneumologie (GOP 04530 und 13650), auch wenn sie nicht an diesen gekennzeichneten Tagen abgerechnet wurde
  • die Zusatzpauschale fachinternistische Behandlung (GOP 13250), auch wenn sie nicht an diesen gekennzeichneten Tagen abgerechnet wurde.

Kodierung

Die ICD-Verschlüsselung für die Coronavirus-Krankheit wurde wie folgt angepasst:

U07.1!  COVID-19 – für die im Labor bestätigten Fälle
U07.2!  COVID-19 – Diagnose von COVID-19 positiv, aber kein Nachweis durch Labortest

Das Ausrufezeichen gehört zur Bezeichnung des Kodes, es wird aber bei der Kodierung nicht angegeben (bspw. U07.1 statt U07.1 !). Beide Kodes werden ab dem 1. April ausschließlich mit dem Zusatzkennzeichen „G“ (gesichert) für die Diagnosesicherheit versehen. Also COVID-19-Erkrankung liegt vor: Virus nachgewiesen U07.1 beziehungsweise Virus nicht nachgewiesen U07.2. Nicht mehr anzuwenden ist das Zusatzkennzeichen „V“ für „Verdacht“. Auch die Zusatzkennzeichen „A“ für Ausschluss einer COVID-19-Erkrankung oder „Z“ für Zustand nach einer COVID-19-Erkrankung sind nicht zu nutzen.

Die Kodes können erst dann in der Praxissoftware kodiert werden, wenn dort die entsprechend angepasste Version der ICD-10-GM hinterlegt ist. Die KBV hat diese zur Verfügung gestellt. Sollte die Kodierung nicht möglich sein, wenden Sie sich bitte an Ihren PVS-Hersteller

Konsultation per Telefon

Aufgrund des steigenden Bedarfs von telefonischen Konsultationen von erkrankten Patienten, können Vertragsärzte befristet im Quartal 2/2020 Telefonkonsultationen von bis zu 200 Minuten pro Patienten abrechnen.

Zusätzlich zur telefonischen Beratung (GOP 01435) können die neu in den EBM aufgenommenen Zuschläge GOP 01433 (16,92 €) und GOP 01434 (7,14 €) abgerechnet werden.

Möglich ist die telefonische Konsultation aber nur bei bekannten Patienten. Als „bekannt“ gilt ein Patient, wenn er in den letzten sechs Quartalen (4/2018 bis 1/2020), die dem Quartal der Konsultation vorausgehen, mindestens einmal in der Praxis war.

Finden in dem Quartal ausschließlich telefonische Konsultationen statt, muss die elektronische Gesundheitskarte nicht eingelesen werden. In diesem Fall übernimmt die Praxis die Versichertendaten für die Abrechnung aus der Akte des Patienten.

Für einige Fachgruppen gilt zudem die Besonderheit, dass die neuen Gesprächsleistungen auch dann bezahlt werden, wenn die Versicherten- oder Grundpauschale abgerechnet wird, weil der Patient im selben Quartal doch noch in die Praxis kommt. Für die übrigen Fachgruppen gilt, dass die abgerechneten GOP 01435, 01434 entfallen, wenn die Grundpauschale abgerechnet wird. Telefonische Beratungen sind für einige Fachgruppen mischkalkulatorisch bereits in der Grundpauschale enthalten und damit abgegolten. Einen Überblick über die Einzelheiten zur Abrechnung der neuen Ziffern, können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen. Die dort aufgeführte Nummerierung bezieht sich auf folgende Fachgruppen:

1
Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten / Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten / FÄ für Neurologie / FÄ für Nervenheilkunde / FÄ für Neurologie und Psychiatrie / FÄ für Psychiatrie und Psychotherapie / FÄ für Neurochirurgie / FÄ für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie / FÄ für Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

2
Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte, Schmerztherapeuten

3
Gynäkologen, HNO-Ärzte, Dermatologen, fachärztliche Internisten, Orthopäden, FÄ für Sprach-, Stimm-, und kindliche Hörstörungen, Urologen

4
Anästhesisten, Augenärzte, Chirurgen, Humangenetiker, Laborärzte, MKG, Nuklearmediziner, Pathologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, PRM

Fachgruppe Ziffer Max Häufigkeit pro Patient Max. Gesprächsdauer im Quartal/Patient Max. Vergütung pro Patient Grund/ Versichertenpauschale zusätzlich
1 01433 20-mal im Arztfall (mind. 10 Minuten) 200 Minuten 338,40 € ja
2 01434* 6-mal im Arztfall (mind. 5 Minuten) 30 Minuten 42,84 € ja
3 01434 5-mal im Arztfall (mind. 5 Minuten) 25 Minuten 32,70 € nein
4 01434 2-mal im Arztfall (mind. 5 Minuten) 10 Minuten 14,28 € nein
*Hinweis: fließt in das Budget für Gesprächsleistungen (GOP 03220, 04230, 04231), wenn im selben Behandlungsfall eine Videosprechstunde oder eine Versichertenpauschale abgerechnet wird. Bleibt es ausschließlich beim telefonischen Kontakt, wird das Budget nicht belastet.

Labore

Den einschlägigen Labortest dürfen ausschließlich Fachärzte für Laboratoriumsmedizin oder Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie durchführen und mit der neu geschaffenen GOP 32816 abrechnen. Die Abrechnung der GOP 32816 ist indes nur möglich, wenn die RKI definierten Voraussetzungen vorliegen.

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