736 490 BFS

SARS-CoV-2: Die Privatliquidation

Erfahren Sie, welche Abrechnungsmöglichkeiten für Abstrich-Tests und Antikörper-Schnell-Tests bestehen

Wir geben Ihnen einen Überblick, welche Besonderheiten sich nun für Ihre Abrechnung ergeben.

Welche Patienten getestet werden sollen

Welche Patienten auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet werden sollen, treffen Sie auf Basis der Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI), die fortlaufend aktualisiert werden:

  1. Akute respiratorische Symptome und Kontakt zu einer infizierten Person in den letzten 14 Tagen
  2. Klinische oder radiologische Hinweise auf eine virale Pneumonie im Zusammenhang mit einer Fallhäufung in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern
  3. Klinische oder radiologische Hinweisen auf eine virale Pneumonie ohne Hinweis auf eine andere Ursache
  4. Akute respiratorische Symptome bei Risikogruppen (Alter über 60, immunsupprimiert, onkologische Behandlung etc.) oder Beschäftigten im Pflegebereich, in Arztpraxen oder Krankenhäusern
  5. Nur bei ausreichender Testverfügbarkeit: akute respiratorische Symptomen ohne Risikofaktoren

Die Konstellationen 1 und 2 gelten als begründeter Verdachtsfall und müssen dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.

Haben Sie anhand dieser Kriterien entschiedenen, dass ein Test medizinisch sinnvoll ist, werden die Kosten von den Krankenkassen getragen.

Das RKI hat ein Flussschema zur Orientierungshilfe veröffentlicht

Abstrich-Test

Hat sich ein Patient bei Ihnen – idealerweise telefonisch – gemeldet und Sie haben entschieden, dass es medizinisch sinnvoll ist, einen Test zur Abklärung einer möglichen Corona-Infektion durchzuführen, können Sie die ärztliche Beratung/Untersuchung und die Entnahme eines Abstrichs aus den Atemwegen wie folgt abrechnen:

  • 1 GOÄ – Beratung (2,3-fach: 10,72 €)
  • 5 GOÄ – Untersuchung (2,3-fach: 10,72 €)
  • 7 GOÄ – Vollständige körperliche Untersuchung (2,3-fach: 21,45 €)
  • 298 GOÄ analog – Entnahme eines virologischen Abstrichs (2,3-fach: 5,36 €)

Ob bzw. welche Ziffer für eine Untersuchung des Patienten abgerechnet werden kann, hängt vom Einzelfall, d.h. der Art der Untersuchung, ab.

  • Hinweis: Eine Nebeneinanderabrechnung der Ziff. 297 GOÄ und der Ziff. 298 GOÄ ist ausgeschlossen.

Sollte der Abstrich ggfls. sowohl aus dem Rachen- als auch aus dem Nasenraum entnommen, kann die Ziff. 298 GOÄ doppelt berechnet werden. Kennzeichnen Sie dies entsprechend in der Leistungsbeschreibung.

Faktorerhöhung

Für Zahnärzte gibt es seit Anfang April eine sog, „Hygienepauschale“ für den erhöhten Hygieneaufwand in der Praxis.  Die zahnärztliche „Hygienepauschale“ ist nicht (analog) für Ärzte übertragbar (auch nicht für MKG-Chirurgen, HNO-Ärzte oder Chirurgen, die z.T. auf in der GOZ aufgeführte Leistungen zurückgreifen können).

Mit Wirkung ab dem 07. Mai 2020 hat die Bundesärztekammer eine arztspezifische Hygienepauschale geschaffen: Ziff. 245 analog, Erfüllung aufwändiger Hygienemaßnahmen im Rahmen der COVID-19-Pandemie, je Sitzung)

Diese Abrechnungsempfehlung ist zunächst bis zum 31.07.2020 befristet.

Bitte beachten Sie: wenn diese Ziffer abgerechnet wird, kann keine weitere Leistung aufgrund von erhöhtem Hygieneaufwand gesteigert werden.

Alternativ kann der Schutz vor Corona, der auch in der Arztpraxis Zeit und Ressourcen kostet, über die Faktorsteigerung bei den einzelnen Leistungen nach den in § 5 GOÄ genannten Kriterien abgebildet werden, wenn die Ausführung der Leistungen tatsächlich durch die Covid-19 Hygienemaßnahmen erschwert sind. Dies bedarf einer Dokumentation durch den behandelnden Arzt.

  • Hinweis: Ein erhöhter Hygieneaufwand allein ist kein Kriterium für eine Faktorsteigerung. Bei einer Untersuchung in gesonderten Räumlichkeiten liegt kein besonderer Umstand in der Ausführung vor, da auch bei Verdacht auf andere infektiöse Krankheiten ein identisches Vorgehen erforderlich sein kann, um andere Patienten im Praxisumfeld nicht zu gefährden.

Bei den erbrachten Leistungen selbst kann dies anders sein, sodass hier die Infektionsschutzmaßnahmen durchaus mit besonderen Umständen bei der Ausführung und auch erhöhtem Zeitaufwand verbunden sein können, z. B. durch das zusätzliche Anlegen von Schutzkleidung.

  • Beispiel für Begründung für die Faktorerhöhung:
    „Erhöhter Zeitaufwand und Umstand bei der Untersuchung wegen erforderlicher aufwendiger Infektionsschutzmaßnahmen.“

Bei der Rechnungstellung sollte stets darauf geachtet werden, die im Einzelfall angemessene Faktorsteigerung bezogen auf jede einzelne Leistung zu begründen und zwar verständlich und nachvollziehbar für den Patienten.

Verursachen die besonderen Infektionsschutzmaßnahmen auch Kosten, die nicht mit dem abgerechneten Leistungsziffern der GOÄ abgegolten sind (bspw. Ziff. 298 GOÄ, Abstrich-Material), können diese als Auslagen zusätzlich berechnet werden, und zwar nach den in § 10 GOÄ vorgegebenen Kriterien: Das zu berechnende Material muss mit der einmaligen Anwendung verbraucht sein oder beim Patienten verbleiben (bspw. derzeit Atemschutzmasken).

  • Hinweis: Sog. Kleinmaterialien (pauschale Ein-Euro-Grenze) und ausdrücklich in § 10 Abs. 2 unter Nr. 2-5 GOÄ genannten Materialien dürfen unabhängig von ihrem Preis nicht berechnet werden. Dies gilt bspw. auch für Desinfektions- und Reinigungsmittel sowie Einmalhandschuhe, nicht jedoch Schutzkittel und Einmalmasken!

Antikörper-Schnell-Tests

Zum Thema der Abrechnung von Antikörper-Test haben wir ein Update für Sie!

Jetzt zum Update

Ursprüngliche Meldung:

Die derzeit auf dem Markt verfügbaren „Schnell-Tests“ suchen nach den Antikörpern einer Corona-Virusinfektion. Der medizinische Nutzen dieser Testmethode ist ungeklärt bzw. stark umstritten bei den verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens. Die Kosten für diese Tests werden zurzeit weder von den gesetzlichen noch von den privaten Krankenkassen getragen. Eine Abrechnung kommt daher nur als Selbstzahlerleistung in Frage.

Zur Abrechnung kommen folgende Ziffern in Frage:

  • 4636 GOÄ – Lichtmikroskopische Untersuchung zum Nachweis von SARS-CoV-2 (1,15-fach: 19,44 €)
  • 4644 GOÄ analog – Antikörper-Schnelltest, SARS-CoV-2 (1,15-fach: 16,76 €)

Um die richtige Wahl bei den in Frage kommenden Abrechnungsziffern zu treffen, sollten der Einkaufspreis der Tests und die danach verbleibende Gewinnspanne angemessen berücksichtigt werden.

Fernbehandlung

Gerade in der aktuellen Ausnahmesituation durch COVID-19 kann das Angebot von Videosprechstunden sinnvoll sein, um die Versorgung Ihrer Patienten zu ermöglichen.

Zudem hat Bundesärztekammer mit Wirkung ab dem 07. Mai 2020  mit einigen Abrechnungsempfehlungen weitere Behandlungsmöglichkeiten eröffnet, um eine „kontaktlose“ Versorgung der Patienten zu fördern und damit die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Psychotherapie und psychiatrische Leistungen

Bestimmte psychotherapeutische Leistungen, welche normalerweise einen unmittelbaren Arzt-Patienten-Kontakt erfordern können ab dem 07.05.2020 auch per Videoübertragung (z.B. Videosprechstunde) erfolgen: Ziff. 804, 806, 817, 846, 849, 861, 863, 870, 886.

Auch eine Erbringung/Abrechnung weiterer LeistungenZiff. 801, 807, 808, 860, 885 – kommt in Frage, wenn besondere Umstände vorliegen, die einen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt ausschließen. Denkbar wäre hier z.B., dass der Patient Covid-positiv und/oder in Quarantäne ist und daher nicht persönlich erscheinen kann.

Diese Abrechnungsempfehlung ist zunächst bis zum 30.06.2020 befristet.

Konsil

Die Ziff. 60 darf grundsätzlich nur berechnet werden, wenn sich der liquidierende Arzt zuvor oder im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der konsiliarischen Erörterung persönlich mit dem Patienten und dessen Erkrankung befasst hat. Ausnahmsweise ist die persönliche Befassung mit dem Patienten nun nicht mehr erforderlich, sofern es sich aus den Umständen der COVID-19-Pandemie ergibt. In diesen Fällen kann die Berechnung der Ziff. 60 auch dann erfolgen, wenn sich der liquidierende Arzt mit dem Patienten per Videoübertragung (z. B. Videosprechstunde) befasst.

Diese Abrechnungsempfehlung ist zunächst bis zum 30.06.2020 befristet.

Eingehende Beratung

Die telefonische Beratung nach Ziff. 3 kann für längere Telefonate mehrfach berechnet werden. Das heißt, je vollendete 10 Minuten kann die Ziff. 3 berechnet werden (z.B. bei einer Gesprächsdauer von 34 Minuten, kann die Ziff. 3 dreimal zum Ansatz gebracht werden).

Voraussetzung dafür ist, dass das Aufsuchen des Arztes pandemiebedingt nicht möglich oder zumutbar ist, eine Videoübertragung nicht durchgeführt und die Patientenversorgung auf andere Weise nicht gewährleistet werden kann. Die Ziff. 3 ist je Sitzung höchstens viermal berechnungsfähig. Im Kalendermonat ist diese telefonische Beratung nur viermal berechnungsfähig.

Des Weiteren darf die Ziff. 3 aufgrund des zeitlich bedingten Mehraufwandes nicht gesteigert berechnet werden. Die Dauer des Telefonates sowie die Begründung zur Mehrfachberechnung müssen in der Rechnung angegeben werden.

Diese Abrechnungsempfehlung ist zunächst bis zum 31.07.2020 befristet.

Profitieren Sie in Ihrer Praxis bereits von den Möglichkeiten der Fernbehandlung oder würden Sie in der Zukunft gerne eine Video-Sprechstunde in Ihrer Praxis anbieten?

Was Sie hierbei beachten müssen, zeigen wir Ihnen in unserem Artikel.

 

Sie erreichen uns für alle Fragen, die Ihre Abrechnung betreffen unter