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SARS-CoV-2: Die Privatliquidation

Erfahren Sie, welche Abrechnungsmöglichkeiten für Abstrich-Tests und Antikörper-Schnell-Tests bestehen

Die Vorgaben zur Durchführung der Corona-Tests haben sich im Laufe der Pandemie immer wieder verändert und sind gar nicht so leicht zu durchschauen. Wir geben Ihnen einen Überblick.

Welche Patienten getestet werden sollen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Testkriterien für SARS-CoV-2-Infektionen an die Herbst-/Wintersaison angepasst. Ein Test ist nun durchzuführen, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien vorliegt:

  • Schwere respiratorische Symptome (bspw. durch akute Bronchitis oder Pneumonie, Atemnot oder Fieber)
  • Akute Hypo- oder Anosmie bzw. Hypo- oder Ageusie (Störung des Geruchs- bzw. Geschmackssinns)
  • Ungeklärte Erkrankungssymptome und Kontakt (KP1) mit einem bestätigten COVID-19-Fall
  • Klinische Verschlechterung bei bestehender Symptomatik
  • Akute respiratorische Symptome jeder Schwere UND
    • Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe
      oder
    • Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis, Krankenhaus
      oder
    • Erhöhter Expositionswahrscheinlichkeit, bspw. im Rahmen eines möglichen Ausbruchs, bei Veranstaltungen mit > 10 Personen in geschlossenen und unzureichend durchlüfteten Räumen und unzureichender Anwendung der AHA+L-Regeln
      oder
    • Kontakt im Haushalt oder zu einem Cluster von Personen mit akuter ARE ungeklärter Ursache UND eine erhöhte COVID-19 7-Tages-Inzidenz (> 35/100.000 Einwohner) im Land-/Stadtkreis
      oder
    • während des Zeitraums der Symptomatik bestand die Möglichkeit (Expositionssetting) einer Weiterverbreitung an viele Personen
      oder
    • weiterhin enger Kontakt zu vielen Menschen (bspw. Lehrer, Chorleiter, Trainer) oder zu Risikopatienten (in Familie, Haushalt, Tätigkeit)

Zur Operationalisierung der Kriterien, insbesondere zur Exposition, empfiehlt das RKI 3-4 Fragen zu zugrunde zu legen, die eine schnelle Beurteilung ermöglichen:

1. Gehört die Person zu einer Risikogruppe oder hat Kontakt zu Risikogruppen?
2. Haben Familienmitglieder regelmäßig Kontakt zu vulnerablen Gruppen innerhalb oder außerhalb der Familie, z.B. ein Elternteil ist in der Altenpflege tätig?
3. Gibt es aktuell ungeklärte akute Erkrankung(en) in der Familie?
4. Besteht individuell ein erhöhtes Infektions- oder Weiterverbreitungsrisiko, z. B. aufgrund einer Teilnahme an einer Großveranstaltung innerhalb der letzten 1-2 Wochen?
5. Handelt es sich um Pflege- oder Betreuungspersonal oder ist anderweitig von weiterhin vielen relevanten Kontakten auszugehen?

Welche Patienten eine GOÄ-Rechnung erhalten

Ob eine Rechnungstellung nach der GOÄ überhaupt in Frage kommt, hängt von der jeweiligen Ausgangslage ab. In einigen Konstellationen werden die Kosten für einen Corona-Test für alle Patienten – privat und gesetzlich versichert – aus einem Gesundheitsfond der GKV gezahlt bzw. über die Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet. Dann ist eine GOÄ-Abrechnung ausgeschlossen. In folgenden Konstellationen können Sie Kosten für die Testung mit der GOÄ abrechnen:

  • Der Haus-/Facharzt veranlasst eine Testung, da die RKI-Kriterien erfüllt sind.Es handelt sich um einen üblichen Versicherungsfall, für den die Patienten die Rechnung zur Kostenerstattung einreichen können.
  • Die Testung soll auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden.
    (Bspw. bei Reiserückkehrern aus Nicht-Risikogebieten; eine Ausnahme existiert hier lediglich für Einwohner aus Bayern und Vertragsärzte: hier übernimmt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern die Kosten für den Test).

In folgenden Konstellationen ist die GOÄ-Abrechnung für eine Testung ausgeschlossen, da die Kosten von der öffentlichen Hand getragen werden:

  • Die Testung wird vom Arzt oder Gesundheitsamt wegen eines Kontakts zu einer infizierten Person verordnet.
  • Der Patient wird in einer Einrichtung betreut/behandelt, in der eine Infektion auftritt.
  • Die Testung findet innerhalb von 10 Tagen nach der Rückkehr von einer Auslandsreise aus einem Corona-Risikogebiet statt (s. hierzu Ausweisung des RKI bzgl. internationaler Risikogebiete).
  • Der öffentliche Gesundheitsdienst veranlasst eine Testung für Rückkehrer aus innerdeutschen Risikogebieten.
  • Der Arbeitgeber hat eine Testung veranlasst.


Sonderfall: Corona-Warn-App

Erfolgt aufgrund einer Warnung der App ein Test, hängt die Frage der Rechnungsstellung/Bezahlung davon ab, wo der Test verordnet und durchgeführt wird:

  • Öffentlicher Gesundheitsdienst: Abrechnung und Kostentragung über die GKV
  • Private Hausarztpraxis: Normaler Versicherungsfall und Abrechnung über GOÄ
  • Hausarztpraxis mit KV-Zulassung: es handelt sich dann um einen „asymptomatischen“ Patienten im Sinne der Coronavirus-Testverordnung, der über die KV abgerechnet wird. Eine GOÄ-Abrechnung ist ausgeschlossen.

Überblick

Der nachfolgenden Auflistung können Sie entnehmen, welche ärztlichen Leistungen im Fall eines Corona-Tests grundsätzlich in Frage kommen können. Bitte beachten Sie hierbei die einzelnen Bestimmungen der allgemeinen GOÄ-Leistungen.

GOÄ-Abrechnung

Sofern eine GOÄ-Abrechnung in Frage kommt und Sie im individuellen Fall entschieden haben, dass es medizinisch sinnvoll ist, einen Test zur Abklärung einer möglichen Corona-Infektion durchzuführen, sind die ärztliche Beratung, Untersuchung und die Abstrich-Entnahme abzurechnen Daneben kann zudem die Abrechnung der Hygienepauschale (Ziff. 4) und von Materialien (Ziff. 6) in Frage kommen.

GOÄ-ZifferLeistung2,3-facher Faktor
1Beratung10,72 €
5Symptombezogene Untersuchung10,72 €
7Vollständige körperliche Untersuchung mindestens eines Organsystems (…)21,45 €
70Zeugnis über das Vorliegen/Nichtvorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-25,36 €
245 analogHygienepauschale6,41 € (1-facher Faktor)
298Entnahme und ggf. Aufbereitung von Abstrichmaterial zur mikrobiologischen Untersuchung 5,36 €
4648 analogUntersuchung mit ähnlich methodischem Aufwand, Zusätzliche Textangabe: SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test16,76 €

Kurze Bescheinigung

Sofern Sie eine Bescheinigung über das Ergebnis der Testung ausstellen, können Sie dies mit der Ziffer 70 GOÄ in Rechnung stellen. Weisen Sie Ihre Patienten ggf. darauf hin, dass die Kosten für ärztlichen Bescheinigungen von den Kostenträgern in der Regel ausgeschlossen sind und nicht erstattet werden.

Labortest

Sollte der Abstrich für den Labortest ggfls. sowohl aus dem Rachen- als auch aus dem Nasenraum entnommen, kann die Ziff. 298 GOÄ doppelt berechnet werden. Kennzeichnen Sie dies entsprechend in der Leistungsbeschreibung. Eine Nebeneinanderabrechnung der Ziff. 297 GOÄ und der Ziff. 298 GOÄ ist ausgeschlossen. Eine gesonderte Abrechnung der verwendeten Materialien für den Labortest ist stets ausgeschlossen.

Antikörper-Schnelltests

Seit Oktober 2020 berücksichtigt die Nationale Teststrategie (s.u.) neben den üblichen PCR-Tests auch den Einsatz von Corona-Antikörper-Schnelltests. Diese Schnelltests (POCT) zum qualitativen Nachweis eines spezifischen Virusantigens können über die Ziffer 4648 GOÄ analog als „Untersuchung mit ähnlich methodischem Aufwand“ mit der Angabe der untersuchten Viren (hier: „SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test“) abgerechnet werden. . Mit der Gebühr für die Ziffer 4648 GOÄ analog sind gemäß den Allgemeinen Bestimmungen zum Kapitel M der GOÄ auch die Kosten für das Test-Kit bzw. das Test-Kärtchen abgegolten. Zusätzlich zum analogen Ansatz der Ziffer 4648 GOÄ kann der Nasopharynx-Abstrich zur Entnahme von Abstrichmaterial nach der Nr. 298 GOÄ berechnet werden.

Bei asymptomatischen Patienten kann für eine ggf. durchgeführte Beratung die Ziffer 1 GOÄ, für eine ggf. ausgestellte kurze Bescheinigung über das Testergebnis die Ziffer 70 GOÄ abgerechnet werden (bei symptomatischen Patienten können ggf. weitere Leistungen erforderlich sein). Zur Abrechnung eines ggf. erhöhten Hygieneaufwands im Rahmen der COVID-19-Pandemie kann vorerst bis zum 31. März 2021 zusätzlich die Hygienepauschale abgerechnet werden.

  • Hinweis
    Da für Schnelltests der vorliegenden Art nach Auffassung der BÄK keine eingehende medizinisch-technische Qualifikation und Erfahrung auf dem Gebiet der Laboratoriumsmedizin erforderlich ist, können die Corona-Schnelltests auch von Nicht-Laborfachärzten (bzw. ohne entsprechende Zusatzbildung) in Rechnung gestellt werden (vgl. Dt. Ärzteblatt 113, Heft 19 v. 13.05.2016).

Bitte beachten Sie:
Aufgrund der geringeren Sensitivität und Spezifität von Antigen-Tests ist der Einsatz der Corona-Schnelltests nur unter bestimmten Voraussetzungen eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Maßnahmen. Das RKI empfiehlt deshalb, sie nur bei Personen anzuwenden, bei denen ein falsch negatives Ergebnis nicht zu schwerwiegenden Konsequenzen führt.

  • BFS-Tipp
    Weitere Informationen zur Abrechnung finden Sie in den Abrechnungsempfehlungen der BÄK.Das Vorgehen und die Details zur Anwendung der Corona-Schnelltests entnehmen Sie bitte der Nationalen Teststrategie vom 14.10.2020, die auf der Themenseite des RKI zu finden ist.Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat eine Liste der Antigen-Tests zum direkten Erregernachweis des Coronavirus veröffentlicht, die die Mindestkriterien des Paul-Ehrlich-Instituts in Abstimmung mit dem RKI erfüllen.

Wunschleistung

Wenn ein Patient ausdrücklich einen Test wünscht, obwohl es sich nicht um einen Verdachtsfall handelt, da der Patient bspw. keine COVID-19-Symptome zeigt bzw. eine Testung nach den RKI-Kriterien nicht angezeigt ist, könnte die Kostenerstattung von der Versicherung wegen fehlender medizinischer Notwendigkeit abgelehnt werden. Klären Sie Ihren Patienten hierüber vorab auf.

Hygienepauschale

Für jeden* Privatpatienten, den Sie in Ihrer Praxis behandeln, können Sie einen pauschalen Rechnungsaufschlag über die Ziffer 245 GOÄ analog für den erhöhten Hygieneaufwand einmal pro Sitzung abrechnen.

Bitte beachten Sie: Die Hygienepauschale ist nur bei unmittelbaren Arzt-Patienten-Kontakten abrechnungsfähig, das heißt bspw. nicht in der Videosprechstunde oder im Falle einer Leichenschau.

Im Zeitraum vom 9. April 2020 bis einschließlich zum 30. September 2020 konnte die Hygienepauschale mit dem max. 2,3-fachen Faktor abgerechnet werden.

Seit dem 1. Oktober bis zum 31. März 2021 kann die Ziffer 245 GOÄ analog weiterhin abgerechnet werden, allerdings nur noch mit dem 1,0-fachen Satz in Höhe von 6,41 €. Die Auslagen – insbesondere die verwendeten Materialien – sind bereits in der Pauschale enthalten.

Bitte beachten Sie:
Eine Faktorsteigerung über den Schwellensatz kommt mit der Begründung des erhöhten Hygieneaufwandes nicht in Frage, wenn zugleich die Hygienepauschale abgerechnet wird. Für den Fall, dass Sie die Ziffer 245 GOÄ analog abrechnen, können Sie den Faktor einer Leistung aber unter den bekannten Bedingungen steigern: wenn die Leistungserbringung bei einer Ziffer durch andere Umstände erschwert war, die nicht auf dem erhöhten Hygieneaufwand beruhen (bspw. erhöhter Zeitaufwand bei längerem Gesprächsbedarf).

  • *Unterschiede bei den Tarifen
    Bei den Patienten der Normal-, Standard-, Basis- und KVB-Versicherungstarife ist die analoge Abrechnung der Ziffer 245 GOÄ als Hygienepauschale anwendbar. Eine Besonderheit besteht aber bei den Postbeamten: für Versicherte der Mitgliedergruppe B ist die Hygienepauschale abrechnungsfähig, für die Mitgliedergruppe A jedoch nicht! Für letztere erfolgt die Abrechnung über einen Vertrag mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung; die Abrechnungsempfehlung (= Vereinbarung zwischen BÄK, PKV-Verband und Beihilfekostenträgern) umfasst diese Versicherten daher nicht. Weitere Details und Informationen zur Abrechnung der Hygienepauschale finden auf der Themenseite der BÄK und im Fachbeitrag von BFS health finance.

Alternative zur Hygienepauschale

Es muss nicht in jedem Behandlungsfall sinnvoll sein, den erhöhten Hygieneaufwand pauschal über die Ziffer 245 GOÄ analog abzurechnen. Alternativ kann der erhöhte Hygieneaufwand über die Faktorsteigerung der einzelnen Leistungen nach den in § 5 GOÄ genannten Kriterien abgebildet werden. Dies gilt jedenfalls für alle Privatpatienten, bei deren Versicherungstarifen eine Überschreitung der Schwellensätze grundsätzlich möglich ist.

Beispiel

Eine 65-jährige Patientin mit chronischen Bluthochdruck meldet sich in Ihrer Praxis wegen akuter respiratorischer Symptome. Zur Entnahme des Rachen-Abstrichs wird Schutzkleidung (FFP2-Maske, Handschuhe, Schutzkittel und -brille) angelegt, die Patienten in einem speziellen Zimmer distanziert und dieses anschließend umfangreich desinfiziert.

GOÄ-ZifferLeistungVariante A
2,3-facher Faktor
Variante B
3,5-facher Faktor
1Beratung10,72 €16,32 €
5Symptombezogene Untersuchung10,72 €16,32 €
245 analogErfüllung aufwändiger Hygienemaßnahmen im Rahmen der COVID-19-Pandemie6,41 €
(1-facher Faktor)
-
298Entnahme und ggf. Aufbereitung von Abstrichmaterial zur mikrobiologischen Untersuchung 5,36 €8,16 €
Auslagen1x FFP2-Maske,
1 Schutzkittel
-3,00 €
3,00 €
Gesamt33,21 €46,80 €

Bitte beachten Sie:
Der erhöhte Hygieneaufwand oder ein erhöhter Materialaufwand allein sind kein geeignetes Kriterium für eine Faktorsteigerung. Aus der leistungs- und patientenbezogenen Begründung muss hervorgehen, dass besondere, über die Norm hinaus gehende Maßnahmen getroffen sind, die bspw. mit einem erhöhten Zeitaufwand oder besonderen Umständen bei der Ausführung verbunden sein können. Auf die individuelle Begründung und die entsprechende Dokumentation ist hier verstärkt Wert zu legen.

Materialien

Ein weiterer Punkt, der die Abrechnung der Hygienepauschale im Einzelfall unzweckmäßig machen kann, betrifft die Auslagen für die verwendeten Materialen.

Zwar wurde nicht eindeutig geregelt, wann Ärzte zusätzliche Materialkosten wegen des erhöhten Hygieneaufwandes (u.a. FFP2-Maske, Schutzkittel) in Rechnung stellen können. Es ist aber davon auszugehen, dass eine zusätzliche Auslagenerstattung neben der Hygienepauschale von den Kostenträgern nicht akzeptiert wird.

Daher sollte die Abrechnung der Hygienepauschale zweckmäßigerweise ausbleiben, wenn im Einzelfall deutlich höhere Auslagen im Materialbereich anfallen. Welche Infektionsschutzmaterialien in Rechnung gestellt werden können, richtet sich nach den grundlegenden Kriterien aus § 10 GOÄ:

  • Das zu berechnende Material muss medizinisch notwendig und mit der einmaligen Anwendung verbraucht sein oder beim Patienten verbleiben (bspw. FFP2-Maske, Schutzkittel, Abstrich-Material beim Antigen-Schnell-Test).
  • Es darf sich nicht um sog. Kleinmaterialien (bspw. Einmalhandschuhe, einfache Mundschutzmasken) oder ausdrücklich in § 10 Abs. 2 unter Nr. 2-5 GOÄ genannten Materialien (u.a. Desinfektions- und Reinigungsmittel) handeln. Diese dürfen dem Patienten nie in Rechnung gestellt werden.
  • BFS-Tipp
    Weitere Informationen zur korrekten Abrechnung von Praxiskosten, Sprechstundenbedarf und Auslagenersatz finden Sie im GOÄ-Ratgeber der BÄK (Dt. Ärzteblatt 100, Heft 33 vom 15.08.2003).

Erweiterte telefonische Beratung, Ziffer 3 GOÄ

Wie schon zu Beginn der COVID-19-Pandemie wurde die erweiterte telefonische Beratung im privatärztlichen Bereich ab dem 17.11.2020 und zunächst befristet bis zum 31.12.2020 wieder ermöglicht. Die Bundesärztekammer hat die Rahmenbedingungen für die Abrechnung in einer Gemeinsamen Abrechnungsempfehlung veröffentlicht.

Die Ziffer 3 GOÄ ist im Zusammenhang mit der Pandemie unter folgenden Voraussetzungen je vollendete 10 Minuten abrechnungsfähig:

  • Das Aufsuchen der ärztlichen resp. psychotherapeutischen Praxis ist pandemiebedingt nicht möglich oder zumutbar
  • Eine Videosprechstunde kann nicht durchgeführt werden
  • Die Patientenversorgung ist auf andere Art und Weise nicht möglich
  • Dokumentation
    Dokumentieren Sie diese Umstände sorgfältig in der Patientenakte, um möglichen Nachfragen der Kostenträger begegnen zu können.

Die Mehrfachberechnung der Ziffer 3 ist auf folgende Zeitintervalle begrenzt worden:

  • höchstens viermal je Sitzung
  • höchstens viermal je Kalendermonat

Bitte beachten Sie: eine Überschreitung des 2,3-fachen Gebührensatzes kommt mit der Begründung des zeitlich bedingten Mehraufwandes bei der Ziffer 3 nicht in Frage, da dieser Umstand der Mehrfachberechnung immanent ist.

  • Rechnungslegung
    Geben Sie die Uhrzeit, die tatsächliche Dauer des Telefonats und die Gründe für die Mehrfachberechnung in der Rechnung an.

D-Ärzte

Durchgangsärzte (D-Ärzte) können rückwirkend ab dem 16. März 2020 und zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2020 für jeden persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt zusätzlich zu den Behandlungskosten für jeden Behandlungstag eine Pauschale in Höhe von 4 Euro abrechnen.

Die Pauschale kann als besondere Kosten mit der Bezeichnung „COVID-19 Pauschale“ mit der regulären Behandlungsrechnung abgerechnet werden (eine Gebührenordnungsposition gibt es hierfür nicht). Für zurückliegende bereits abgerechnete Behandlungen kann die Pauschale dem UV-Träger nachträglich entweder als Ergänzung zu einer bereits abgerechneten Gebührenposition oder mit gesonderter Abrechnung unter Angabe des Behandlungstages in Rechnung gestellt werden.

Psychotherapeutische Leistungen

Erst- und Eingangsuntersuchungen sind bis zum 31. Dezember 2020 in absoluten Ausnahmefällen im Rahmen der Videosprechstunde möglich, wenn sich dies aus den Umständen der Corona-Pandemie ergibt (also bspw. für den Fall von gesetzlichen Kontaktbeschränkungen). Begründen Sie dies entsprechend eindeutig in Ihrer Abrechnung und dokumentieren Sie sorgfältig.

Sofern eine psychotherapeutische Behandlung bereits begonnen wurde, kann diese per Videosprechstunde in Einzelsitzungen durchgeführt werden (keine Gruppentherapie über Videoübertragung).

  • BFS-Tipp
    Die aktuellen Abrechnungsempfehlungen der BÄK zur COVID-19-Pandemie finden Sie auf der Homepage der BÄK. Im Artikel auf unserer Homepage finden Sie weitere Informationen zur Privatabrechnung in der Videosprechstunde.

Bitte beachten Sie zudem:
Die vorstehenden Hinweise sollen nur einen ersten Anhaltspunkt für eine mögliche Ausgestaltung einer Abrechnung sein und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Beratung kann je nach Einzelfall der Behandlung abweichen. Obwohl die gegebenen Informationen mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, kann eine Haftung für deren inhaltliche Richtigkeit nicht übernommen werden. Die Ausführungen stellen daher lediglich eine Orientierungshilfe dar und können eine Rechtsberatung im Einzelfall nicht ersetzen.

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