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Corona: Testen, Impfen, Hygiene

Wir geben Ihnen einen Überblick über die aktuellen Regelungen zur Abrechnung.

  • BFS-TIPP
    Schaubilder sowie ausführliche Informationen u.a. zur Impfstoffbestellung, Praxisorganisation und Priorisierung finden Sie auf der Website der KBV und den Themenseiten der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Bürgertests

Seit dem 16.11.2021 haben wieder alle asymptomatischen Personen mindestens einmal pro Woche Anspruch auf einen kostenfreien PoC-Antigen-Test:

  • Abstrich 8,00 €, Pseudo-Ziffer 88310

Darin auch die Beratung und das Ausstellen eines ärztlichen Zeugnisses über das Testergebnis enthalten.

  • Sachkosten 3,50 €, Pseudo-Ziffer 88312
  • Selbsttests unter Aufsicht 5,00 € mit der Pseudo-Ziffer 88314 (müssen beim Bfarm gelistet sein)
  • Das Ausstellen eines Testzertifikats ist Teil der Abstrichleistung und in der Vergütung enthalten
  • Die Abrechnung erfolgt über die KV

Für die Abrechnung von Bürgertests ist nach der TestV eine Anbindung an die Corona-Warn-App (CWA) verpflichtend. Jede Testung ist personenbezogen zu dokumentieren. Bei einem positiven Testergebnis ist grundsätzlich ein Nachweis der Meldung an das zuständige Gesundheitsamt zusätzlich zu dokumentieren. Diese Angaben werden nicht mit der Abrechnung an die KV übermittelt, sind aber bei gezielten Prüfungen vorzulegen.

  • BFS-TIPP
    Bitte informieren Sie sich bei Ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung, ob es regionale Regelungen/Vereinbarung gibt, bspw. zu Tests von Mitarbeitern in Schulen oder Kitas.

Impfen

Alle vertrags- und privatärztlichen Praxen sind dazu berechtigt an der Corona-Impfkampagne teilzunehmen. Unterschiede bestehen für Vertrags- und Privatpraxen lediglich bei der Anmeldung und beim Monitoring. Vertragsärztliche Praxen finden alle notwendigen Informationen (u.a. Praxisorganisation, Abrechnung und Dokumentation) auf der Website der KBV. Für die privatärztlichen Praxen haben wir die wesentlichen Informationen zusammenfasst:

Organisation in Privatpraxen

Authentifizierung bei Ihrer Landesärztekammer

Um an der Impfkampagne teilzunehmen, benötigen Sie eine Bescheinigung Ihrer Landesärztekammer. Diese fordern Sie an, indem Sie eine Selbstauskunft zur privatärztlichen Praxistätigkeit ausfüllen und an die Ärztekammer senden. Ihre Ärztekammer schickt Ihnen dann die Authentifizierungs-Bescheinigung. Diese besteht im aus der Bestätigung der Pflichtmitgliedschaft und Ihrer Selbstauskunft.

Monitoring

Privatarztpraxen und Betriebsärzte müssen an der Impfsurveillance teilnehmen und täglich die entsprechenden Daten an das Robert Koch-Institut (RKI) übermitteln. Dafür registrieren Sie sich auf www.privat-impft-mit.de. Für die Registrierung benötigen Sie folgende Angaben:

  • Authentifizierungsbescheinigung Ihrer Landesärztekammer
  • Unterzeichnete Selbstauskunft
  • Mobilnummer
  • Persönliche E-Mail-Adresse

Sobald die Daten geprüft und freigegeben worden sind, erhalten Sie per E-Mail oder SMS Ihre Zugangsdaten und eine Registrierungsbescheinigung. Diese Bescheinigung und die Authentifizierungsbescheinigung Ihrer Landesärztekammer benötigen Sie zur Legitimation bei der ersten Bestellung des Impfstoffes bei Ihrer regulären Bezugsapotheke.

Impfstoffbestellung

Den Impfstoff bestellen Sie bei „Ihrer“ Apotheke, also die, von der sie auch regulär mit Praxisbedarf versorgt werden. Nur so können Mehrfachbestellungen vermieden und gewährleistet werden, dass der Impfstoff gleichmäßig verteilt wird. Die Bestellungen erfolgen dosisbezogen und impfstoffspezifisch inkl. Impfzubehör mit einem blauen Privatrezept. Nutzen Sie dabei ausschließlich die Vordrucke (DIN A6 Querformart), die im Medizinbedarf bezogen werden können. Über die maximale Bestellmenge erhalten Sie eine Mitteilung per E-Mail. Die Impfstoffbestellungen sind stets jeweils bis Dienstag bis 12:00 Uhr für die die darauffolgende Woche bei Ihrer Apotheke zu bestellen.

Dokumentation

Im Rahmen der Impfsurveillance müssen täglich (bis spätestens 23:59 Uhr) ausschließlich die Daten übermittelt werden, die das RKI für das Monitoring des Impffortschrittes benötigt:

  • Anzahl der Impfungen (Erst- oder Abschlussimpfungen nach Impfstoffen)
  • Anzahl der unter 18-Jährigen bei den Erst- und Abschlussimpfungen
  • Anzahl der über 60-Jährigen bei den Erst- und Abschlussimpfungen

Daneben gibt es keine speziellen Dokumentationsvorgaben. Die reguläre Dokumentation erfolgt in den Patientenakten und Impfpässen.

Abrechnung & Vergütung Impfung

Sämtliche COVID-19-Schutzimpfungen für Kassen- und Privatpatienten werden mit der jeweilig zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung mit bundesweit einheitlichen sog. Pseudoziffern abgerechnet. Die Details hierzu finden Sie in den KBV-Vorgaben zur Vergütung und der KBV-Praxisinformation zur COVID-19-Schutzimpfung. Wir geben Ihnen einen Überblick.

  • Hinweis für Privatpraxen
    Privatärztinnen/-ärzte müssen sich für die Abrechnung online bei der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung registrieren und benötigen hierzu u.a. die Authentifizierungsbescheinigung der Ärztekammer (s.o.). Liegen alle nötigen Angaben vor, schaltet die Kassenärztliche Vereinigung einen digitalen Zugang frei, über den die Privatarztpraxen ihre Leistungen zur Rechnungsstellung übermitteln können (i. d. R. mit einer CVS-Datei).

Pseudo-Ziffern mit Suffix

Pro Impfstoff gibt es nur eine Pseudoziffer für die Erst- und Abschlussimpfung:

  • 88331 für BioNTech/ Pfizer,
  • 88332 für Moderna (wird vorerst nicht an Praxen geliefert),
  • 88333 für AstraZeneca und
  • 88334 für Johnson & Johnson.

Diese Pseudoziffern werden jeweils um Buchstaben (Suffixe) für die Impfindikation ergänzt:

  • A/B = Indikation „Allgemein“
  • V/W/Y = Indikation „Beruf“
  • G/H/I = Indikation „Pflegeheimbewohner/in“

Die Indikation „Alter“ wird von der KV automatisch zugesetzt und an das RKI übermittelt. Unter die Indikation „Allgemein“ fallen auch Kontaktpersonen (bspw. von Schwangeren). Beim Impfstoff von Johnson & Johnson erfolgt die Kennzeichnung „Allgemein“ direkt über die Pseudoziffer (ohne Buchstabe). Dies ist möglich, da es keine Zweitimpfung gibt.

Hersteller ImpfstoffIndikationErstimpfungAbschluss-ImpfungVergütung pro Impfung
BioNTech/Pfizer- Allgemein
- Beruf
- Pflegeheimbewohner/in
88331A
88331V
88331G
88331B
88331W
88331H
28,00 €
Moderna- Allgemein
- Beruf
- Pflegeheimbewohner/in
88332A
88332V
88332G
88332B
88332W
88332H
28,00 €
AstraZeneca- Allgemein
- Beruf
- Pflegeheimbewohner/in
88333A
88333V
88333G
88333B
88333W
88333H
28,00 €
Johnson & Johnson- Allgemein
- Beruf
- Pflegeheimbewohner/in
-88334
88334Y
88334l
28,00 €

Die Vergütung für die Impfung umfasst die Aufklärung, Impfberatung, symptombezogene Untersuchung zum Ausschluss akuter Erkrankungen oder Allergien, Verabreichung des Impfstoffes, Beobachtung in der Nachsorgephase und die ggf. erforderliche med. Intervention.
Vertragsärzte, die auch betriebsärztliche Schutzimpfungen durchführen, geben für diese zusätzlich die Pseudoziffer 88360 bei der Abrechnung an.

Quellen: Vorgaben der KBV für die Vergütung der Leistungen der CoronaImpfV (Stand 16.11.2021); PraxisInfo der KBV COVID-19-Schutzimpfung (Stand 16.11.2021)

Weitere LeistungVergütungPseudo-Ziffer
Impfberatung ohne Impfung
Die Impfberatung kann auch telefonisch oder per Videosprechstunde stattfinden. Die Abrechnung der ausschließlichen Impfberatung neben einer Impfung und einem Besuch ist im Krankheitsfall ausgeschlossen.
10 Euro88322
Hausbesuch
Wenn für die Impfung ein Hausbesuch notwendig ist
35 Euro88323
Mitbesuch
Für das Impfen jeder weiteren Person in derselben Einrichtung oder sozialen Gemeinschaft.
15 Euro88324
Impfungen an Wochenenden, Feiertagen sowie am 24. und 31.12. (Zuschlag)8 Euro + Impfung88325
Nachtragung im Impfausweis, wenn nicht in der eigenen Praxis geimpft wurde2 Euro88355

Zwei Kodes für Covid-19-Impfungen

Seit 1. April 2021 gibt es spezifische ICD-10-GM-Kodes im Zusammenhang mit einer COVID-19-Schutzimpfung:

  • U11.9 für eine Impfung gegen COVID‐19 und
  • U12.9 für unerwünschte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung.

(Digitale) Impf-Zertifikate

Der digitale Impfnachweis ist ein optionales Zusatzangebot zum Impfpass. Die Person erhält dann ein ausgedrucktes Dokument mit einem QR-Code, der mit dem Smartphone gescannt und in der CovPass-App oder Corona-Warn-App hinterlegt werden kann. In den Praxen sollen diese QR-Codes aus dem Praxisverwaltungssystem „mit einem Klick“ generiert werden.

Software-Lösung

In den Praxen können die Zertifikate direkt aus dem Praxisverwaltungssystem erstellt werden, um den Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass die notwendigen Daten nicht noch einmal dokumentiert werden müssen und der QR-Code mit einem Klick generiert werden kann. Ein erforderliches Update wird von den meisten Software-Anbietern bereitgestellt.

Desktop-Client

Eine Alternative ist der Desktop-Client (auch „Komfort-Client“). Mit der Anwendung können die Personendaten automatisch durch die Integration des elektronischen Kartenterminals befüllt werden. Die Daten müssten so nicht mehr per Hand eingetragen werden. IBM hat den Desktop-Client im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums entwickelt und stellt diesen kostenfrei bereit. Voraussetzung für die Nutzung ist der Zugang zur Telematikinfrastruktur sowie eine Internetverbindung. Praxen können die Anwendung online herunterladen. Die Konfiguration muss nach Angaben von IBM durch einen IT-Techniker vorgenommen werden. Die Installationsdatei, die Anleitung sowie das Anwender-Handbuch finden auf der Website des RKI.

RKI-Webanwendung

Alternativ kann der Impfzertifikatsservice des RKI genutzt werden, der über die Telematikinfrastruktur läuft. Die Eingabe der Daten wie Name der Person, Geburtsdatum, Impfstoff, Impfdosis und Impfdatum erfolgt manuell, bevor der QR-Code erstellt werden kann. Mehr Informationen dazu gibt auf der Website des RKI.

Abrechnung & Vergütung der Zertifikate

Die Erstellung der EU-weit gültigen Impfzertifikate mit QR-Code wird mit verschiedenen Pseudo-Ziffern abgerechnet. Welche spezifische Pseudo-Ziffer abzurechnen ist, hängt davon ab wie und für wen das Zertifikat ausgestellt wird:

LeistungVergütung je ZertfikatPseudo-Ziffer
Ausstellung eines Impfzertifikats für Personen, die in der eigenen Praxis geimpft worden sind
Manuell per Impfzertifikatservice des RKI*6,00 €88350
Automatisiert mit Hilfe des PVS-System*2,00 €88351
Ausstellung eines Impfzertifikats für Personen, die NICHT in der eigenen Praxis geimpft wurden
Es ist keinerlei Daten der Person bekannt, daher erhöhter Arbeitsaufwand um Missbrauch zu vermeiden 18,00 €88352

*Wenn zur Erstellung eines digitalen Zertifikats die Praxissoftware genutzt wird, werden 2,00 € je Impfzertifikat vergütet. Dies gilt auch für nachträglich ausgestellte Impfzertifikate und bei Abhandenkommen einer bereits erstellten Ausfertigung, wenn die Person in der Praxis geimpft wurde.

Neben den Impfzertifikaten können zukünftig auch Zertifikate für COVID-19-Genesene ausgestellt werden. Voraussetzung für das Ausstellen eines Genesenenzertifikats ist ein positives PCR-Test-Ergebnis, das mindestens 28 Tage und maximal sechs Monate alt ist. Analog zu den Impfzertifikaten, soll das Ausstellen der Genesenenzertifikate ebenfalls digital über die Praxissoftware möglich sein. Für die Genesenen- und Impfzertifikate (s.o.) gilt daher die gleiche Abrechnungslogik; die spezifischen Abrechnungsziffern weichen jedoch ab:

LeistungVergütungPseudo-Ziffer
Ausstellung eines Impfzertifikats für genesene Personen
Manuell6,00 €88370
Automatisiert mit Hilfe des PVS-Systems2,00 €88371

Hygienekosten

Die privatärztliche Hygienepauschale (6,19 Euro pro Sitzung) wurde wiederum bis zum 31.12.2021 verlängert. Weitere Informationen hierzu finden in unserem Kurzbeitrag auf weitergehts.de

 

Für den vertragsärztlichen Bereich ist aktuell bekannt, dass die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung um 98 Mio. Euro als Folge eines festgestellten Hygienekostenmehrbedarfs in den Arztpraxen erhöht worden ist. Über die Ausgestaltung der fachgruppenspezifischen Hygienezuschläge müssen sich KBV und GKV-Spitzenverband noch verständigen.

Über die Autorin

Meike Schmucker

Meike Schmucker
Senior Investment & Strategy Manager
Redakteurin
Consulting Arztmarkt