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Neue Impfverordnung in Kraft getreten

Priorisierung des medizinischen Personals

In der Gruppe mit der höchsten Priorität (Gruppe eins) sind neben den Personen der über 80 jährigen auch Mediziner und Pflegekräfte der Intensivstationen, Notaufnahmen sowie Mitarbeiter des Rettungsdienstes oder der ambulanten Palliativversorgung aufgenommen. Auch Beschäftigte aus Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten, wie z. B. In- und Extubation zählen zu der höchsten Stufe. Ebenfalls dieser Gruppe zugeordnet sind ambulante Pflegekräfte, die ältere oder pflegebedürftige Personen betreuen sowie das Personal der Impfzentren. Ein Impfangebot mit höchster Priorität erhält zudem das medizinische Personal, welches Patienten in der Onkologie oder Transplantationsmedizin betreut oder pflegt. Bei diesen Patientengruppen besteht ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

Zu der Gruppe mit hoher Priorität (Gruppe Zwei) zählen laut der neuen Verordnung insbesondere Ärzte und (medizinisches) Personal mit regelmäßigem, unmittelbarem Patientenkontakt. Darunter fallen hausärztliche und pädiatrische Praxen, HNO-, Augen- oder Zahnärzte sowie die Mitarbeiter der COVID-19-Testzentren. Auch Personen, die in stationären Einrichtungen oder in der ambulanten Pflege zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig oder psychisch behinderter Menschen tätig sind werden der Gruppe zwei zugeordnet.

Medizinisches Personal ohne direkten Patientenkontakt erhält ein Impfangebot nach erhöhter Priorität und ordnet sich damit in Prioritätsgruppe drei ein. Dazu zählen beispielsweise Mitarbeiter der Labore, Apotheker oder Praxispersonal, das keine Patienten betreut und dem Virus nicht unmittelbar ausgesetzt ist.

Einzelfallentscheidungen möglich

Zudem sind aktuell Einzelfallentscheidungen möglich, um Impfdosen gezielt aufzubrauchen. Das bedeutet, dass Menschen mit einer Erkrankung, die in der Impfverordnung nicht genannt wird, in die Prioritätsgruppen zwei und drei eingeordnet werden können. Das ist möglich, sofern ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer COVID 19-Infektion besteht. Grundlegend für diese Einzelfallentscheidungen ist ein Attest von berechtigten Einrichtungen, die von den obersten Landesgesundheitsbehörden oder den von ihnen bestimmten Stellen mit der Wahrnehmung dieser Aufgabe beauftragt wurden. Hier kommen z.B. Schwerpunktpraxen in Betracht.

Für die in der Impfverordnung aufgeführten Krankheitsbilder, bei denen ein hohes oder erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht, ist nach wie vor ein ärztliches Attest nötig. Für die Ausstellung dieses ärztlichen Zeugnisses sollen die Ärzte laut der Impfverordnung eine pauschale Vergütung von 5 Euro erhalten. Hinzukommen würden 0,90 Euro, wenn der Versand per Post erfolgt.

Die Anpassung der Verordnung führt dazu, dass einige Erkrankungen, die bislang in der Gruppe drei genannt wurden, nunmehr eine Gruppe höher priorisiert sind. So differenziert die Zuordnung z.B. bei Adipositas-Erkrankungen: Bei einem Body-Mass-Index (BMI) von über 40 erfolgt die Zuordnung nunmehr zur Prioritätsgruppe zwei, bei einem BMI über 30 zur dritten Gruppe. Ähnlich ist das bei Krebserkrankungen: Menschen mit behandlungsfreien in Remission befindlichen Tumorerkrankungen haben wie bislang eine erhöhte Priorität und gehören damit zur Gruppe drei. Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt, haben nach der aktualisierten Impfverordnung eine hohe Priorität und somit frühzeitiger Anspruch auf ein Impfangebot.

Kritische Stimmen bezüglich der Anpassungen kommen z.B. von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die Probleme hinsichtlich der Praktikabilität befürchtet. In einer Stellungnahme beschreiben sie eine „immer stärkere Verästelung, wer wann und mit welchem Impfstoff geimpft werden kann“.

Hinsichtlich der priorisierten Personengruppen meldet sich der Marburger Bund zu Wort und fordert, dass Medizinstudierende im Praktischen Jahr bei der Impfstrategie nicht ausgeklammert werden dürfen, da sie in vielen Kliniken auch in Notaufnahmen und auf Intensivstationen tätig seien. Unterstützt wird diese Aussage von den Medizinstudierenden selbst: So fordern die Vorsitzenden des Medizinstudierendenausschusses des Hartmannbundes, dass Medizinstudierende im Praktischen Jahr keine Nachteile bei der Impfpriorisierung entstehen sollen, da sie ähnlich wie Ärzte im unmittelbaren Patientenkontakt stünden.

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Über die Autorin

Jessica Hanneken

Jessica Hanneken
Vice President Investment & Gesundheitspolitik
Leitung Hauptstadtrepräsentanz

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