736 490 BFS

COVID-19: Orientierungshilfen für Ärzte

Updates zur ärztlichen Abrechnung

Wir geben Ihnen einen Überblick, über den Umgamg mit Corona-(Verdachts-)fällen und fassen die wichtigsten Informationsquellen zusammen.

Stresstest für unser (Gesundheits-)System

Während die Landesregierungen zur Unterbrechung der Infektionsketten das öffentliche Leben auf ein Minimum zurückfahren, spüren Sie die Auswirkungen der Pandemie in Ihrer Praxis in geballter Form: dies reicht von einem Heer verunsicherter Patienten bis hin zum leergefegten Fachhandel für Desinfektionsmittel oder Schutzbekleidung.

Das Robert Koch Institut (RKI) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) veröffentlichen laufend auf ihren Themenseiten alle notwendigen Fachinformationen (bspw. Meldepflichten,  Entschädigungsansprüche, Patienteninformationen), von denen Ärzte und das Praxispersonal im Zusammenhang mit dem Coronavirus betroffen sind.

Welche Patienten getestet werden sollen

Welche Patienten auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet werden sollen, treffen Sie auf Basis der Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI), die fortlaufend aktualisiert werden:

  1. Akute respiratorische Symptome und Kontakt zu einer infizierten Person in den letzten 14 Tagen
  2. Klinische oder radiologische Hinweise auf eine virale Pneumonie im Zusammenhang mit einer Fallhäufung in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern
  3. Klinische oder radiologische Hinweisen auf eine virale Pneumonie ohne Hinweis auf eine andere Ursache
  4. Akute respiratorische Symptome bei Risikogruppen (Alter über 60, immunsupprimiert, onkologische Behandlung etc.) oder Beschäftigten im Pflegebereich, in Arztpraxen oder Krankenhäusern
  5. Nur bei ausreichender Testverfügbarkeit: akute respiratorische Symptomen ohne Risikofaktoren

Die Konstellationen 1 und 2 gelten als begründeter Verdachtsfall und müssen dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden.

Haben Sie anhand dieser Kriterien entschiedenen, dass ein Test medizinisch sinnvoll ist, werden die Kosten von den Krankenkassen getragen.

Das RKI hat ein Flussschema zur Orientierungshilfe veröffentlicht.

Meldepflicht

Sie müssen alle begründeten Verdachtsfälle an das Gesundheitsamt melden sowie alle bestätigten Infektionen. Meldepflichtig sind der Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung sowie der Tod in Bezug auf eine Infektion, die durch das Coronavirus hervorgerufen wird.
Bitte beachten Sie die Empfehlungen des RKI.

Labore

Den einschlägigen Labortest dürfen ausschließlich Fachärzte für Laboratoriumsmedizin oder Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie durchführen und mit der neu geschaffenen GOP 32816 abrechnen. Die Abrechnung der GOP 32816 ist indes nur möglich, wenn die RKI definierten Voraussetzungen vorliegen. Hier finden Sie die Falldefinition des RKI.

Ausblick

Mit dem Gesetz zum Ausgleich finanzieller Belastungen in Gesundheitseinrichtungen infolge von COVID-19 wurde unter anderem für die vertragsärztliche Versorgung ein finanzieller Schutzschirm aufgespannt. Die KBV geht davon aus, dass die Politik mit dem Covid19-Krankenhausentlastungsgesetz Honorarstabilität und den Schutz vor Umsatzeinbrüchen in der ambulanten Versorgung zugesichert hat. Die Regelungen zu Ausgleichszahlungen im Gesetz sehen im Einzelnen wie folgt aus:

Ausgleichsregelung im Rahmen der eGV (§ 87a Abs. 3a SGB V)

Aufgrund der Neuregelung haben Vertragsärzte einen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für extrabudgetäre Leistungen (bspw. Impfungen, ambulante Operationen), sofern folgende Voraussetzungen vorliegen:  das Gesamthonorar sinkt aufgrund eines Großschadensereignisses – hier die Coronavirus-Pandemie – im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als 10 % infolge eines Fallzahlrückgangs. Zudem ist geregelt, dass Ausgleichszahlungen mit Entschädigungen, die beispielsweise nach dem Infektionsschutzgesetz bei einer angeordneten Quarantäne gezahlt werden, verrechnet werden müssen.

Ausgleichsregelungen im Rahmen der MGV (§ 87b Abs. 2a SGB V)

Die KVen wurden verpflichtet, in ihren Honorarverteilungsmaßstäben (HVM) Regelungen vorzusehen (im Benehmen mit den Krankenkassen), um die Fortführung der vertragsärztlichen Tätigkeit für den Fall von gefährdenden Fallzahlrückgängen in Folge der Pandemie zu sichern.
Die MGV wird dazu an die KVen trotz reduzierter Leistungsmenge im regulären Umfang ausgezahlt. Die Krankenkassen müssen also genauso viel Geld für die Versorgung der Patienten bereitstellen, wie zu „normalen“ Zeiten. Nach welchen genauen Vorgaben die Verluste in der extrabudgetären Gesamtvergütung und in der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung ausgeglichen werden, wird derzeit zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen verhandelt.

  • Hinweis:
    Die KVen sind zuständig für Entscheidung darüber, ob im Einzelfall ein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung besteht. Zum Teil müssen die Entscheidungen im Einvernehmen mit den Krankenkassen getroffen werden.

Kurzarbeitergeld

Vertragsarztpraxen haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, da die durch das Covid19-Krankenhausentlastungsgesetz beschlossenen Ausgleichszahlungen für die eGV und MGV wie eine Betriebsausfallversicherung wirken. Anders ist dies bei Verlusten aus privatärztlicher Tätigkeit, die durch den GKV-Schutzschirm nicht kompensiert werden. Soll das Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter aus diesem Grund beantragt werden, muss der Praxisinhaber dies gegenüber dem Arbeitsamt deutlich machen. Ob eine Zahlung erfolgt, entscheidet die Behörde im Einzelfall.

Zusätzliche Kosten für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung (§ 105 Abs. 3 SGB V)

Die Krankenkassen sind verpflichtet, den KVen die zusätzlichen Kosten für die außerordentlichen Maßnahmen zu erstatten, die während des Bestehens einer epidemischen Lage von nationaler Trageweite (im Sinne des Infektionsschutzgesetzes) erforderlich sind. Ausnahmen hiervon bestehen u.a. dann, wenn die KVen bereits Haushaltsmittel für so einen Fall vorgesehen haben.

Fortbildung

Ein kontinuierliches Sammeln von Fortbildungspunkten durch Präsenzveranstaltungen ist für Vertragsärzte derzeit nicht möglich, sodass die Frist für den Nachweis von fachlichen Fortbildungen um ein Quartal verlängert wurde. Diese Ausnahmeregelung gilt auch für den Fall, dass bereits im Einzelfall bereits Honorarkürzungen oder Auflagen zum Nachholen der Fortbildungen innerhalb von zwei Jahren beschieden worden sind.

Erfahren Sie in unseren Kurzbeiträgen, was Sie bei Ihrer Abrechnung zu beachten haben und welche Neuerungen sich im Zuge des Ausnahmezustandes ergeben.

Sollten Sie Fragen zu Ihrer individuellen Abrechnung haben, nehmen Sie jederzeit gerne Kontakt zu unseren Experten auf!

Kontakt aufnehmen
Mehr auf meinebfs.de/weitergehts