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EBM Abrechnung 2020 in der Gynäkologie

Ein spezifischer Ausblick auf die wesentlichen Neuregelungen

Seit 01.01.2020 gelten bundesweite, aber auch KV-spezifische neue Regelungen in der EBM-Abrechnung. Wir informieren Sie gerne nachstehend über die wesentlichen Neuerungen. Für eine individuelle Beratung stehen Ihnen unsere Berater gerne persönlich zur Verfügung.

Alle Fachbereiche – Ausblick ab 01.04.2020 der neue EBM (Fortsetzung)

In den neuen EBM 2020 wurden nur wenige neue Ziffern aufgenommen. Die Aufwertung der Hausbesuche, ambulantes Operieren und die Regelungen zu Sachkostenpauschalen stellen hingegen das zentrale Element der EBM-Novelle dar. Zudem wurden die Prüf- bzw. Kalkulationszeiten überwiegend reduziert, was sich erheblich auf die Zeitprofile auswirken wird. Hierzu hatten wir bereits in unserem vorausgegangen Newsletter ausführlich berichtet.

Das tatsächliche Bild des neuen EBM 2020 zeigt sich erst mit den neuen Honorarverteilungsmaßstäben der einzelnen KV-Regionen. Überprüfen Sie deshalb ganz genau Ihre Honorarunterlagen des Q 1/2020 auf mögliche Änderungen oder sprechen Sie uns an!

Alle Fachbereiche – Überprüfung der Mindestsprechstunden – Neues Vorgehen der KBV

Ärzte mit einem vollen Sitz müssen seit dem 01.09.2019 Mindestsprechstundenzeiten von 25 Stunden pro Woche anbieten. Nach § 95 Abs. 3 SGB V sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) dazu verpflichtet, die Erfüllung des Versorgungsauftrages zu prüfen. Dies betrifft alle Ärzte deren Zulassung länger als acht Quartale zurückliegt. Die Prüfung soll in drei Schritten erfolgen:

1. Ermittlung der Arbeitszeiten je Arzt und Quartal

Die Ermittlung der Arbeitszeiten arztindividuell pro Quartal erfolgt anhand von Abrechnungsdaten vor sachlich-rechnerischer Richtigstellung, eines durchschnittlichen Zeitwertes je Fall sowie anhand der gemeldeten Sprechzeiten pro Woche an die Terminservicestelle.

2. Ermittlung Fachgruppenreferenzzeiten durch die KV

Hierzu werden fünf Stunden pro Werktag im Quartal abzüglich pauschaler Zeiten für Urlaub, Krankheit und Fortbildung herangezogen. Liegen die arztspezifischen Zeiten über dem Fachgruppenreferenzwert bestehen keine Auffälligkeiten. Eine Einzelfallprüfung wird lediglich bei Überschreitung des Referenzwertes aufgenommen.

3. Einzelfallprüfung Mindestsprechstunden

In der Einzelfallprüfung werden teilweise noch weitere Sachverhalte individuell berücksichtigt.

  • BFS Coach Tipp:
    Dokumentieren Sie praxisindividuelle, quartalsbezogene und sonstige Besonderheiten, die dazu führen, dass die Mindestsprechstundenzeiten unterschritten werden, bspw. wegen krankheitsbedingter Abwesenheit. So sind Sie für den Fall von Nachfragen im Rahmen eines möglichen Prüfverfahrens vorbereitet.

TSVG Kennzeichnung Neupatienten- die Regelung für TSS-Termine wurden angepasst

Grundsätzlich gilt, dass Neupatienten in den Praxen selbstständig identifiziert und in der Feldkennung auf dem Abrechnungsschein entsprechend gekennzeichnet werden müssen. Einige KVen (bspw. Berlin, Niedersachsen, Hamburg) unterstützen die Praxen hier, indem die Kennzeichnung der Neupatienten nach Übermittlung der Abrechnung automatisiert durch die KV erfolgt. Uneinigkeit herrscht in diesem Kontext aber noch darüber, ob dieser Service der KVen gesetzeskonform ist; nach dem Wortlaut der hier zugrunde liegenden Vorschrift, könnten Ärzte persönlich zur Kennzeichnung verpflichtet sein. . Die weitere Entwicklung dieser Frage bleibt aber vorerst abzuwarten. Es ist davon auszugehen, dass die betreffenden KVen mit ihrem Vorgehen möglichen Abrechnungsprüfungen (durch die Krankenkassen) vorbeugen möchten.

  • BFS Coach Tipp:
    Es empfiehlt sich im Hinblick auf die mögliche Weiterentwicklung und Prüfanträgen die Patientenzahlen mit TSVG-Konstellationen über die Quartale konstant zu halten.

Ersatzkodierung entfallen

Der sogenannte Ersatzwert „UUU“, den einige Fachgruppen anstelle einer ICD-Kodierung in den Quartalsabrechnungen eintragen konnten, ist zum 01.01.2020 gestrichen worden.

  • Hintergrund:
    Der bisherige Ersatzwert „UUU“ basierte auf einer zwischenzeitlich veralteten Empfehlungsvereinbarung der KBV und mehrerer Krankenkassenverbände aus dem Jahr 2002. Da der Ersatzwert „UUU“ nicht Bestandteil der offiziellen ICD-10-GM* ist, erfolgte eine Neuregelung.
    (*ICD = International Statistical Classification of Diseases and Related Health Conditions; GM = German Modifikation)

Der Ersatzwert kann daher seit dem 01.01.2020 nicht mehr in der Abrechnung angegeben werden. Der Bundesmantelvertrag-Ärzte regelt nun in § 57a, dass immer eine spezifische Kodierung eingetragen werden muss.

Für bestimmte in-vitro-diagnostische Untersuchungen und einige Fachgruppen (u.a. Pathologie) gibt es nun eine allgemeine Kodierung, die verwendet werden kann, sofern eine genaue Diagnosekodierung (noch) nicht möglich ist: Z01.7 Laboruntersuchung immer mit Zusatzkennzeichen „G“ für die Diagnosesicherheit.

In allen anderen Konstellationen ist ein spezifischer Kode der ICD-10-GM-Klassifkation anzugeben. Dies gilt auch für die Facharztgruppe der Radiologen sowie Nuklearmediziner und die Zytologie.

Der Ersatzwert „UUU“ ist somit kein offizieller Bestandteil der ICD-10-GM-Klassifikation mehr und wird daher auch nicht mehr mit ICD-Stammdatei geliefert, auf welche die verschiedenen Anbieter von Praxissoftware zugreifen. Einige Hersteller bieten Kodier-Hilfen bspw. über Freitextsuchen an, um die Verschlüsselung zu erleichtern.

  • BFS Coach Tipp:
    Erstellen Sie für das Quartal 1/2020 eine individuelle Checkliste aller Patienten, die die Ersatzkodierung enthalten und schlüsseln Sie diese zeitnah auf einen ICD-Kode um. Die Ersatzkodierung ist entfallen.

Fachbereich Gynäkologie

Programm zur Früherkennung des Zervixkarzinoms

Zum 01.01.2020 startete das organisierte Programm zur Früherkennung des Zervixkarzinoms. Grundsätzlich sind die Praxen hierbei verpflichtet, die durchgeführten Untersuchungen elektronisch zu dokumentieren und quartalsweise an ihre KV zu übermitteln. Bislang ist die Implementierung der entsprechenden Module in die Praxissoftware flächendeckend jedoch nicht möglich (voraussichtlich wird das im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2020 der Fall sein). Bis dahin bleibt die Programmdokumentation ausgesetzt. Das heißt: Ärzte müssen aktuell keine Daten gesondert für das Programm dokumentieren. Sobald die Dokumentation startet, müssen die Daten der ab diesem Zeitpunkt untersuchten Frauen erfasst werden. Zukünftig werden sich zudem aber auch wirtschaftlich positive Veränderungen ergeben: ab dem 01.10.2020 wird die Vergütung einiger Leistungen aus dem Früherkennungsprogramm angehoben (s. BFS Coach Tipp).
Das Früherkennungsprogramm sieht vor, dass Frauen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren alle fünf Jahre zur Untersuchung eingeladen werden. Eine Altersobergrenze für die Früherkennung auf Gebärmutterhalskrebs besteht jedoch nicht. Frauen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren haben wie bisher einen jährlichen Anspruch. Frauen ab dem 35. Lebensjahr haben alle drei Jahre Anspruch auf ein kombiniertes Screening aus zytologischer Untersuchung und HPV Test. Ein jährlicher Anspruch auf eine klinische Untersuchung besteht weiterhin. Anspruch auf eine weiterführende Abklärungsdiagnostik besteht bei auffälligen Befunden unter anderem mit Kolposkop sowie ggf. Biopsie und Kürettage und entsprechender Beratung.

  • BFS Coach Tipp:
    Eine Übersicht der gestaffelten Vorsorgeleistungen finden Sie im zugehörigen PDF-Dokument. Gerne unterstützen wir Sie bei der Coaching Ihres Abrechnungspersonals. Bitte sprechen Sie uns einfach an.

Biomarkerbasierte Tests

Für die Vergütung der ärztlichen Leistungen und des kostenintensiven Tests wurde die GOP 08347 für den Fachbereich Gynäkologie zum 01.01.2020 in den EBM aufgenommen. Die Aufklärung der Patientin über den Test und die Erläuterung des Testergebnisses nach Durchführung kann je fünf Minuten (insgesamt bis zu 25 Minuten), abgerechnet werden (65 Punkte / 7,14 Euro – je 5 Minuten). Die Vergütung der neuen Leistung erfolgt extrabudgetär.
Nur Gynäkologen mit dem Schwerpunkt gynäkologische Onkologie oder mit der Zusatzbezeichnung „Medikamentöse Tumortherapie“ oder mit Genehmigung zur Teilnahme an der Onkologie-Vereinbarung dürfen diese Ziffer abrechnen.

Fazit:
Während die sprechende Medizin von der Reform profitieren wird, ist bei Praxen mit dem Schwerpunkt auf den technischen Leistungen mit einer Absenkung des Honorars zu rechnen. Einzelne KV-Regionen schaffen Ausgleichsregelungen um Honorarverluste auffangen zu können. Diese Sonderleistungen werden entweder automatisch von der zuständigen KV zugesetzt oder sind von der Praxis selbst einzutragen.

Jedenfalls ist als positiv für alle Praxen zu bewerten, dass die Kalkulations- und Prüfzeiten der meisten Leistungen im Durchschnitt um rund fünf Minuten verringert und damit an die tatsächlichen Praxisabläufe angepasst wurden. Eine Verringerung der Prüfzeiten bedeutet, dass im Rahmen des Gesamtzeitbudgets eines Arztes mehr Leistungen erbracht werden können. Für viele Praxen ergeben sich so Entlastungen im Zeitvolumen von bis zu 30 %. Hier können sich Freiräume ergeben, um wieder mehr Patienten in einem Quartal versorgen zu können. Dies kann sich wiederum günstig auf die Berechnung der RLV/QZV-Budgets und letztlich das auf das Honorar auswirken, da die Budget-Obergrenze abhängig von der Fallzahl ist.

Letztlich variieren die Auswirkungen der EBM-Reform in jedem Einzelfall und werden zusätzlich beeinflusst durch die TSVG-Bereinigungssystematiken und die oben aufgeführten neuen Abrechnungsmöglichkeiten.

Download

Hier können Sie unsere Abrechnungsvorlage für den Fachbereich Gynäkologie zum EBM 2020 herunterladen

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