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Geschäftsmodell Arztpraxis

Die neuen Erfolgsfaktoren

Gute Erreichbarkeit war stets einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren beim Aufbau oder der Weiterentwicklung einer zukunftsorientierten Arztpraxis. Neben den grundlegenden fachlichen Qualifikationen, spielt dieses Thema heute immer noch eine große Rolle. Ebenso wie die Themen Marketing und Kommunikation. Sprechen wir jedoch über die wichtigsten Erfolgsfaktoren einer Arztpraxis, geht es nicht mehr nur um die Erreichbarkeit, um flexible Öffnungszeiten oder gar den Internetauftritt.

Zukunftsweisende Erfolgsfaktoren

Die Zukunft der Medizin gehört der Patientenorientierung. Viele engagierte Ärzte in eigenen oder Gemeinschaftspraxen treiben einen Wandel im ambulanten Bereich der Patientenversorgung voran. Hierzu gehört auch die Nutzung von Wissen aus branchenverwandten Bereichen.

Das Konzept der Patientenorientierung stellt den Patienten – ähnlich wie einen Konsumenten – in den Mittelpunkt der medizinischen Versorgung. War der Patient in der Vergangenheit bisher nur ein Teil des Gesamtbildes Gesundheitssystem, so wird er zukünftig immer weiter in den Fokus dieses Systems rücken. Medizin im Allgemeinen und die Behandlung der eigenen Diagnose müssen ganzheitlich und konzeptionell werden und für den Patienten verständlich sein. Die Patientenorientierung ist ein umfangreicher Ansatz, aber auch der entscheidende Erfolgsfaktor für die Zukunft der Praxen in der ambulanten Versorgung.

Die Individualität zukünftiger Medizin spielt dabei eine tragende Rolle. Ärzte werden sich grundsätzlich am Individuum und seinem Gesundheitszustand orientieren und Behandlungsabläufe entsprechend anpassen müssen. Kürzere Wartezeiten, schnellere Wege in der Praxis und einfacherer Abläufe sind essenziell für die Umsetzung des Konzepts der Patientenorientierung. Der Mediziner der Zukunft wird nicht mehr nur Behandler sein, sondern gemeinsam mit seinem Patienten eine Krankheit verhindernde Zusammenarbeit beginnen.

Der Arzt als Coach der gesundheitlichen Zukunft

Der Mediziner wird somit zum Coach und zum Begleiter einer gesunden Zukunft seines Patienten. Diese Art der gemeinsamen Behandlung wird auch eine neue Art der Prävention ermöglichen. Bereitschaft und Willen des Patienten (Coachee) selbst aktiv an seinem Genesungsprozess und der Verhinderung neuer Erkrankungen mitzuwirken werden erhöht. Die aus dieser Form der Präventionsmedizin entstehende Kostenersparnis wird wirtschaftlich enorm ausfallen. Ein Vorteil der Patientenoptimierungen, jedoch auch eine weitere Herausforderung für den Arzt. Nichtsdestotrotz behält Prof. Heinz Lohmann, Ehrenvorsitzender der Initiative Gesundheitswirtschaft (IGW), Recht, dass die Duldung von Unwirtschaftlichkeit in der Medizin letztendlich unethisch ist.

Multiple Care

Die Vernetzung ambulant tätiger Ärzte wird in Zukunft sektorenübergreifend stattfinden. Die Vergangenheit definierte das Krankenhaus als Anlaufstelle für Schwerkranke, während Leichtkranke der ambulanten Versorgung zugeordnet wurden. Heute existieren beide Institutionen immer noch in ihrer eigenen Sektorenwelt, vereinzelt wird jedoch bereits produktiv stationär und ambulant zusammen gearbeitet. Gleiches gilt für den Pflegemarkt. Ganzheitliche Gesundheitsangebote und strukturell aufeinander abgestimmte Maßnahmen bilden das Konzept der Zukunft. Um Verwaltungsarbeit zu reduzieren, bedienen sich auch ambulante Praxen zukünftig am wissenschaftlichen Knowhow und dem Angebot der Krankenhäuser. Hierzu zählen beispielsweise umfassende Laboruntersuchungen.

Der niedergelassene Arzt greift digital auf vernetzte Datenbanken zurück und kann somit eine moderne und strukturierte Medizin umsetzen. Zusammen mit dem Pflegemarkt ein gesundheitliches Multiple Care Konzept zu etablieren ist das langfristige Ziel. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Verbesserung der Schnelligkeit und Abläufe, sondern die generelle Revolutionierung des Medizinsektors.

Digitalisierung

Bei der Patientenorientierungen in der ambulanten Medizin wird die Digitalisierung der Praxis verstärkt an Bedeutung gewinnen. Zugriff auf ein System digitaler Lösungen und das globale Wissen für eine passgenaue, auf den Patienten abgestimmte Behandlung und Versorgung, werden einen deutlichen Wettbewerbsvorteil in der ambulanten Versorgung darstellen. Technik und Humanität sind hierbei keine Gegensätze – ganz im Gegenteil.

Je intensiver die Nutzung der systematisierten und digitalen Medizin durch einen ambulanten Arzt, desto höher die Erfolgsaussicht in der Patientenbehandlung. Das belegen schon heute Untersuchungskombinationen zur Hautkrebsdiagnostik in dermatologischen Praxen.

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient wird dadurch auf einer menschlichen Eben gestärkt und hat eine Mensch zu Mensch-Beziehung zur Folge. Dadurch wiederum können Heilungsprozesse verbessert und beschleunigt werden. Nicht zuletzt spart eine solche Beziehung Zeit ein und wird weniger auf Versuch und Irrtum basieren. Vertrauen wird so zum Ertrag des Digitalisierungsprozesses.

Rückkehr zum Ursprung

Langfristig wird diese Neuausrichtung der Medizin eine Rückkehr zum Ursprung des ganzheitlichen Behandlungsbildes sein. Die oben genannten wirtschaftlichen Vorteile durch Kosteneinsparungen können reinvestiert werden – beispielsweise in Ausbildung und weiterführende Schulung von Personal. Angepasste Behandlungsformen- und methoden aber auch die Präventionsmedizin werden das Berufsbild des Mediziners weiterentwickeln. Langfristig wird somit die Wirtschaftlichkeit des gesamten Gesundheitssystems und der einzelnen Praxen in den Fokus rücken, weshalb der Arzt zukünftig auch unternehmerisch gefragt ist.

Unabhängig von Menschlichkeit und Digitalisierung zeigt die Erfahrung, dass die Konzentration auf das eigentliche Kerngeschäft – die Patienten – dem Arzt mehr Raum für Empathie und Zuwendung schafft. Diese Komponenten sind essenziell für ein langfristig belastbares Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.

Über den Autor

Oliver Neumann

Oliver Neumann
Initiator des Projektes Business Doc