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GOÄ: Der Behandlungsfall in Gemeinschaftspraxen

Ein Arztwechsel kann sich auf Ihre GOÄ-Abrechnung auswirken

Die GOÄ beschreibt den Behandlungsfall als die Spanne von einem Monat ab der jeweils ersten Inanspruchnahme desselben Arztes für dieselbe Erkrankung (die amtliche Definition finden Sie in Abschnitt B, Nr. 1 der GOÄ, bspw. hier). In der Privatabrechnung dient dieses Intervall des Behandlungsfalles dazu, die Mehrfachabrechnung bestimmter Leistungen zu vermeiden. Dies betrifft unter anderem die Ziffern 1 und 5 GOÄ.

Es kommt auf die Fachrichtung an

Dass der Ablauf der einmonatigen Frist oder neue Indikation einen weiteren Behandlungsfall auslösen, ist ein bekanntes Dauerthema. In Praxen mit mehreren Ärztinnen/Ärzten kann es für die Abrechnung zudem eine Rolle spielen, ob es zu einem Arztwechsel in der Praxis gekommen ist. Denn die GOÄ-Vorgabe „derselbe Arzt“ darf dann ggf. nicht wörtlich verstanden werden.

Für den GOÄ-Behandlungsfall kommt es mehrköpfigen Praxen (Gemeinschaftspraxis, MVZ) innerhalb der Monatsfrist und bei gleichem Beschwerdebild darauf an, ob die Fachgruppe gewechselt wird oder nicht:

  • Ist ein Patient/eine Patientin bei mehreren Praxispartnern gleicher Fachrichtung in Behandlung, entsteht kein neuer Behandlungsfall. Dies gilt auch für weitgehend übereinstimmende Fachrichtungen, z.B. Innere Medizin und Allgemeinmedizin. Im Sinne der GOÄ ist ein solcher Fall als „derselbe Arzt“ zu verstehen. Der zweite Arzt der gleichen Fachrichtung ist also an die durch die Erstbehandlung ausgelöste Monatsfrist gebunden.
  • Sofern aber eine fachübergreifende Behandlung durch andere Ärztinnen/Ärzte in der Praxis stattfindet, gilt dies als Arztwechsel im Sinne der GOÄ. In diesem Fall kann also ein neuer Behandlungsfall ausgelöst werden.
  • BFS-Tipp
    Auf die Fachrichtung kommt es bei einem Arztwechsel nur innerhalb derselben Praxis an. Wechselt eine Patientin/ein Patient also in eine andere Praxis, handelt es sich im Sinne der GOÄ um einen neuen Arzt und damit einen neuen Behandlungsfall. Gleiches gilt für Praxisgemeinschaften; die verschiedenen Praxen werden eigenständig geführt und betreiben lediglich ein „cost-sharing“.

Beispiele

Beispiel 1:

Ein Facharzt für Allgemeinmedizin und eine Fachärztin für Innere Medizin betreiben gemeinsam eine hausärztliche Praxis. Bei der Ärztin erfolgt eine Beratung und Untersuchung mit einer Sonographie der Schilddrüse bei einer Patientin. Anschließend sonographiert der Arzt das Abdomen derselben Patientin. Im Sinne der GOÄ hat kein Arztwechsel stattgefunden und da die Behandlung im Monatsintervall und mit derselben Indikation erfolgt, wurde kein neuer Behandlungsfall ausgelöst. Die Beratung, die Untersuchung und die Sonographie Schilddüse und der weiteren Bauchorgane kann liquidiert werden.

Beispiel 2:

Ein Patient wird in einer fachübergreifenden Gemeinschaftspraxis (Orthopädie und Dermatologie) bei dem Orthopäden am Rücken aufgrund einer Lumbago untersucht und anschließend infiltriert. Am nächsten Tag erfolgt die Vorstellung beim Dermatologen mit einer Excision eines Naevus. Beide Ärzte können die Ziffer 1 und/oder 5 neben Sonderleistungen abrechnen.

Ein Patient sucht innerhalb der Monatsfrist mit demselben Beschwerdebild … „Derselbe Arzt“ im Sinne der GOÄ?Neuer Behandlungsfall?
…eine andere Praxis auf.Nein, denn die Praxis wurde gewechselt. Ja
…einen Praxisgemeinschaftspartner auf. Nein, denn die Praxis wurde gewechselt. Ja
…einen Kollegen der gleichen Fachrichtung innerhalb der BAG/MVZ auf. Ja, da die Fachrichtungen und Diagnosen übereinstimmen. Nein
…einen Kollegen einer anderen Fachrichtung innerhalb der BAG/MVZ auf. Nein, da die Fachrichtungen und Diagnosen nicht übereinstimmen. Ja

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