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Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) nur nach wirtschaftlicher Aufklärung

Tipps für die Berechnung von IGeL-Leistungen

Die Ärztezeitung vom 27. Februar 2019 berichtet unter Hinweis auf den WIdO (wissenschaftliches Institut der AOK) Monitor 2019, dass erstmals ein Rückgang der Selbstzahlerleistungen zu verzeichnen ist. Dennoch bleibt der IGeL-Markt mit einer erwirtschafteten Summe von über einer Milliarde Euro sehr stark.

Laut WIdO haben von den Patienten, denen eine individuelle Gesundheitsleistung angeboten wurde, drei Viertel (72 Prozent) die angebotene Leistung in Anspruch genommen. Folgende fünf Facharztgruppen bieten am häufigsten IGeL-Leistungen an:

  • Gynäkologen (28 Prozent)
  • Augenärzte (22 Prozent)
  • Orthopäden (13 Prozent)
  • Dermatologen (6 Prozent)
  • Urologen (3 Prozent)

Wir haben den WIdO Monitor zum Anlass genommen, Ihnen wichtige Tipps zum Umgang mit den individuellen Gesundheitsleistungen zusammenzustellen. Auf folgende Punkte sollten Sie achten, wenn Sie eine IGeL-Leistung anbieten und berechnen möchten.

1. Wirtschaftliche Aufklärung des Patienten

Informieren Sie Ihren Patienten darüber, dass die von Ihnen angebotene Leistung in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet wird. Klären Sie den Patienten außerdem über die zu erwartenden Behandlungskosten auf.

2. Geben Sie dem Patienten eine angemessene Informations- und Bedenkzeit

Achten Sie darauf, dass dem Patienten eine angemessene Bedenkzeit für die Inanspruchnahme der Leistung zur Verfügung steht. Hier gilt es, den Patienten nicht zu bedrängen oder gar zu überrumpeln. Viele unserer Mandanten setzen hier auf den Freiwilligkeitsaspekt der Leistung. Mit gutem Beispiel gehe eine Dortmunder Gynäkologin voran, die in ihrem Wartezimmer über ihre jährlichen Gesundheitsleistungen informiert und das auch im Hinblick auf die Kosten. Im Rahmen der jährlichen Krebsvorsorge wird den Patientinnen direkt bei der Anmeldung persönlich eine Informationsbroschüre mit dem folgenden Hinweis übergeben: „Wir möchten Sie gerne über unser Leistungsspektrum informieren und geben Ihnen daher unsere Praxisbroschüre mit. Wenn Sie Fragen hierzu haben oder eine bestimmte Leistung wünschen, sprechen sie uns oder die Ärztin jederzeit gerne an.“ Die Broschüre könnte ebenso auch im Wartezimmer ausliegen.

3. Schriftliche Zustimmung des Patienten vor Beginn der Behandlung 

Unlängst hat der Gesetzgeber hierzu die Schriftform im Bundesmantelvertrag geregelt (vgl. §3 Abs. 1 in Verbindung mit §18 Abs. 8 Ziffer 2 BMV-Ä). So bestätigt folgerichtig auch das Landgericht Mannheim (Urteil vom 18.01.2018, Aktenzeichen: 1 S 99/07), dass die Zustimmung des gesetzlich versicherten Patienten zur Erbringung der IGeL vor Behandlungsbeginn nicht nur mündlich erfolgen darf.

4. Bleiben Sie Ihrem Fachgebiet treu

„Schuster bleib bei deinen Leisten“ oder mit anderen Worten: Sie müssen die Grenzen Ihres Fachgebiets beachten und nur die Leistungen anbieten, die Sie aufgrund Ihres Fachgebiets qualitativ und dem medizinischen Stand entsprechend anbieten können und dürfen.

5. Ordnungsgemäße Rechnung stellen

Stellen Sie jedem Patienten eine GOÄ-konforme Rechnung aus. Natürlich ist es lästig und Ihre Frage: „Muss das wirklich für die paar Euro sein?“ berechtigt, weil der Verwaltungsaufwand für Vertrag und Rechnung betriebswirtschaftlich strittig ist. Die Antwort bleibt dennoch: „Ja, es muss sein – ein Profi arbeitet wie ein Profi.“. Nur dann, wenn Sie eine formal die Anforderungen nach §12 GOÄ erfüllende Rechnung erstellt haben, haben Sie rein juristisch einen Anspruch auf Zahlung.

Daher: Im Anschluss an die gewünschte Behandlung erstellen Sie eine Rechnung, die die Pflichtangaben des §12 GOÄ beinhaltet:

  • Das Datum der Erbringung der Leistung angeben
  • Bei Gebühren die Nummer und die Bezeichnung der einzelnen berechneten Leistungen einschließlich einer in der Leistungsbeschreibung gegebenenfalls genannten Mindestdauer sowie den jeweiligen Betrag und den Steigerungssatz
  • Bei Gebühren für vollstationäre, teilstationäre sowie vor- und nachstationäre privatärztliche Leistungen zusätzlich den Minderungsbetrag nach § 6 a
  • Bei Entschädigungen nach den §§ 4 bis 9 den Betrag, die Art der Entschädigung und die Berechnung
  • Bei Ersatz von Auslagen nach §10 den Betrag und die Art der Auslage. Übersteigt der Betrag der einzelnen Auslage 25,56 Euro, ist der Beleg oder ein sonstiger Nachweis beizufügen.

Nur wenn Sie Ihre Leistungen professionell anbieten und Sie Ihre Patienten ausreichend über Ihr Behandlungsspektrum informieren, geben Sie ihnen die Möglichkeit, frei zu entscheiden, in welchem Umfang sie eine Versorgung wünschen.

Um Sie dabei zu unterstützen, haben wir Ihnen ein Muster zu einem Behandlungsvertrag für individuelle Gesundheitsleistungen zum Download bereitgestellt.

Über die Autorin

Julia Neeb, LL.M. Medizinrecht

Leitung Recht / Services, Mitglied der Geschäftsleitung

BFS health finance GmbH

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Mustervertrag hier downloaden

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