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Update: Krankschreibung per Fernbehandlung

Das sind die kurzfristigen Besonderheiten

Die KBV und die Krankenkassen haben im Laufe der Krise die Ausnahmeregelungen für die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mehrfach erweitert, um zu verhindern dass Personen mit leichter Erkrankung wegen der bloßen Attestierung in die Praxen kommen.

Unter anderem wurde eine Sonderregelung für die Ausstellung von AU-Bescheinigungen nach telefonischer Anamnese für bis zu 14 Tage geschaffen, welche ursprünglich bis zum 23. Juni 2020 laufen sollte. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GB-A) hatte– gegen die Stimmen der Ärzteschaft – die Ausnahmeregelung bereits zum 19. April 2020 vorzeitig abgeschafft.

Nun hat der GB-A die Ausnahmeregelung erneut bis einschließlich zum 18. Mai 2020 verlängert. Allerdings wurde der Zeitraum auf bis zu 7 Tage verkürzt. Erfahren Sie hierzu mehr in unserer ausführlichen Darstellung im Verlauf dieses Artikels. 

Hier erhalten Sie einen Überblick über die aktuellen Besonderheiten bei der Abrechnung.

Nur in bestimmten Fällen

Im Falle bestimmter Indikationen, können Sie weiterhin AU (Muster 1) nach telefonischer Anamnese für nun maximal 7 Tage ausstellen. Einmalig können Sie zudem eine Folge-AU für einen weiteren Zeitraum von bis zu 7 Tagen ausstellen; damit bleibt es im Ergebnis dabei, dass eine telefonische Krankschreibung für bis zu 14 Tage möglich ist. Die Bescheinigung übersenden Sie sodann per Post (nicht per Fax) an Ihren Patienten.

Die Regelung gilt ausschließlich für:

  • Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege, die eine leichte Symptomatik zeigen
  • Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege, die eine leichte Symptomatik zeigen, und bei denen außerdem ein Verdacht besteht, dass sie mit dem Virus infiziert sein könnten

Zeigt der Patient keine Symptome, darf keine AU-Bescheinigung ausgestellt. Das gilt auch,
wenn die Person auf das Virus positiv getestet wurde oder wenn Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vorsorglich nach Hause geschickt, weil bspw. ein mittelbarer Kontakt zu einem Verdachtsfall vorgelegen hat.

  • Bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2
    Sie informieren Patienten darüber, wo er sich testen lassen kann sowie über die Einhaltung der besonderen Verhaltenspflichten. In einigen KV-Bereichen benötigen Patienten für die Untersuchung eine Überweisung (Muster 10). In diesen Fällen schicken Sie die Überweisung zusammen mit der AU-Bescheinigung an den Patienten. Da es ein begründeter Verdacht ist, melden Sie den Fall beim Gesundheitsamt.

Abrechnung

Sie rechnen das Ausstellen der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung über die Versicherten- bzw. Grundpauschale ab, sofern der Patient im Abrechnungsquartal bereits in Ihrer Praxis erschienen ist oder Sie einen Arzt-Patienten-Kontakt per Videosprechstunde hatten. Ist dies nicht der Fall, rechnen Sie für die Bescheinigung per Telefonkontakt die haus- bzw. fachärztliche Bereitschaftspauschale über die GOP 01435 ab.

Die Versandkosten für die Versendung der Bescheinigung per Post machen Sie mit der GOP 40122 geltend.

Verwendung der Gesundheitskarte

Für die Abrechnung im Falle bekannter Patienten nutzen Sie den in Ihrem System hinterlegten Versichertendatenstamm. Dokumentieren Sie zudem, dass Sie sich von Ihren Patienten haben versichern lassen, dass keine Veränderungen im Versicherungsverhältnis eingetreten sind.

War ein unbekannter Patient bislang noch nicht in Ihrer Praxis, lassen Sie sich im Rahmen eines Videotelefonats die Gesundheitskarte vorzeigen oder erfragen folgende Versichertendaten am Telefon:

  • Name der Krankenkasse
  • Name, Vorname, Geburtsdatum des Versicherten
  • Versichertenart
  • Postleitzahl des Wohnortes
  • Krankenversichertennummer

So verifizieren die Identität Ihrer Patienten und übernehmen die notwendigen Daten für Ihre Abrechnung. Von Ihren „neuen“ Patienten lassen Sie sich zudem das Bestehen des Versicherungsschutzes zum aktuellen Zeitpunkt bestätigen und dokumentieren dies entsprechend.

Sollte im weiteren Verlauf desselben Quartals die Gesundheitskarte in der Praxis vorgelegt – unabhängig davon, ob es sich um Bestandspatienten oder „neue“ Patienten handelt –, ist diese einzulesen und die Behandlung auf dieser Datenbasis abzurechnen.

  • Alle Regelungen, die für fernmündlich ausgestellte AU-Bescheinigung gelten, gelten auch für „Kinder-AU“ (Muster 21). Voraussetzung für die telefonische Ausstellung ist auch hier, dass es sich nur um leichte Atemwegserkrankungen handelt und beim Kind kein Verdacht auf eine Erkrankung mit dem Coronavirus besteht.

AU-Bescheinigung bei Quarantäne

Bei Patienten, für die eine Quarantäne aus infektionsschutzrechtlichen Gründen angeordnet wurde, muss im Hinblick auf das Ausstellen einer AU-Bescheinigung zwischen zwei Fällen unterschieden werden:

Quarantäne, aber keine Symptome
Für Personen, die sich in einer behördlich angeordneten Quarantäne befinden, aber keine Krankheitssymptome aufweisen, darf der Vertragsarzt keine AU-Bescheinigung für den Arbeitgeber ausstellen. Dies gilt auch für positiv auf SARS-CoV-2 getestete Personen ohne Symptomatik. In diesem Fall ist die Entgeldfortzahlung durch den Arbeitgeber über die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz gesichert. Nähere Informationen finden Sie hier.

Sobald aber eine Person, die bisher symptomfrei war, während der Quarantäne erkrankt, besteht von diesem Zeitpunkt an Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit. In diesem Fall ist also eine AU-Bescheinigung erforderlich.

Quarantäne und Symptome
Bei einer bestätigten Infektion mit dem Coronavirus und Krankheitssymptomen stellt der behandelnde Vertragsarzt eine AU-Bescheinigung aus. In diesem Fall erfolgt die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, der diese aber nicht vom Bundesland erstattet bekommt. Weitere, detaillierte Angaben zum Umgang mit Bescheinigungen von Arbeitsunfähigkeit per Fernbehandlung, finden Sie hier.

Sie erreichen uns für alle Fragen, die Ihre Abrechnung betreffen, unter der Telefonnummer
0231 – 945 362 800. Für eine E-Mail folgen Sie einfach dem folgenden Button.

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