736 490 BFS

SARS-CoV-2: Krankschreibung per Fernbehandlung

Ursprüngliche Meldung vom 03.04.2020:

Die KBV und die Krankenkassen haben im Laufe der Krise die Ausnahmeregelungen für die Ausstellung von AU-Bescheinigungen schon mehrfach erweitert, um zu verhindern dass Personen mit leichter Erkrankung wegen der bloßen Attestierung in die Praxen kommen.

Die Sonderregelung für die telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gilt zunächst bis zum einschließlich zum 23. Juni 2020.

Hier erhalten Sie einen Überblick über die aktuellen Besonderheiten.

Nur in bestimmten Fällen

Im Falle bestimmter Indikationen, können Sie nun vorübergehend AU (Muster 1) nach fernmündlicher Anamnese eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für maximal 14 Tage ausstellen. Die Bescheinigung wird an den Patienten per Post (nicht per Fax) übersendet.

Die Regelung gilt ausschließlich für:

  • Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege, die eine leichte Symptomatik zeigen
  • Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege, die eine leichte Symptomatik zeigen, und bei denen außerdem ein Verdacht besteht, dass sie mit dem Virus infiziert sein könnten

Zeigt der Patient keine Symptome, darf keine AU-Bescheinigung ausgestellt. Das gilt auch,
wenn die Person auf das Virus positiv getestet wurde oder wenn Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vorsorglich nach Hause geschickt, weil bspw. ein mittelbarer Kontakt zu einem Verdachtsfall vorgelegen hat.

  • Bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2
    Sie informieren Patienten darüber, wo er sich testen lassen kann sowie über die Einhaltung der besonderen Verhaltenspflichten. In einigen KV-Bereichen benötigen Patienten für die Untersuchung eine Überweisung (Muster 10). In diesen Fällen schicken Sie die Überweisung zusammen mit der AU-Bescheinigung an den Patienten. Da es ein begründeter Verdacht ist, melden Sie den Fall beim Gesundheitsamt.

Abrechnung

Sie rechnen das Ausstellen der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung über die Versicherten- bzw. Grundpauschale ab, sofern der Patient im Abrechnungsquartal bereits in Ihrer Praxis erschienen ist oder Sie einen Arzt-Patienten-Kontakt per Videosprechstunde hatten. Ist dies nicht der Fall, rechnen Sie für die Bescheinigung per Telefonkontakt die haus- bzw. fachärztliche Bereitschaftspauschale über die GOP 01435 ab.

Die Versandkosten für die Versendung der Bescheinigung per Post machen Sie mit der GOP 40122 geltend.

Verwendung der Gesundheitskarte

Für die Abrechnung im Falle bekannter Patienten nutzen Sie den in Ihrem System hinterlegten Versichertendatenstamm. Dokumentieren Sie zudem, dass Sie sich von Ihren Patienten haben versichern lassen, dass keine Veränderungen im Versicherungsverhältnis eingetreten sind.

War ein unbekannter Patient bislang noch nicht in Ihrer Praxis, lassen Sie sich im Rahmen eines Videotelefonats die Gesundheitskarte vorzeigen oder erfragen folgende Versichertendaten am Telefon:

  • Name der Krankenkasse
  • Name, Vorname, Geburtsdatum des Versicherten
  • Versichertenart
  • Postleitzahl des Wohnortes
  • Krankenversichertennummer

So verifizieren die Identität Ihrer Patienten und übernehmen die notwendigen Daten für Ihre Abrechnung. Von Ihren „neuen“ Patienten lassen Sie sich zudem das Bestehen des Versicherungsschutzes zum aktuellen Zeitpunkt bestätigen und dokumentieren dies entsprechend.

Sollte im weiteren Verlauf desselben Quartals die Gesundheitskarte in der Praxis vorgelegt – unabhängig davon, ob es sich um Bestandspatienten oder „neue“ Patienten handelt –, ist diese einzulesen und die Behandlung auf dieser Datenbasis abzurechnen.

  • Alle Regelungen, die für fernmündlich ausgestellte AU-Bescheinigung gelten, gelten auch für „Kinder-AU“ (Muster 21). Voraussetzung für die telefonische Ausstellung ist auch hier, dass es sich nur um leichte Atemwegserkrankungen handelt und beim Kind kein Verdacht auf eine Erkrankung mit dem Coronavirus besteht.

AU-Bescheinigung bei Quarantäne

Bei Patienten, für die eine Quarantäne aus infektionsschutzrechtlichen Gründen angeordnet wurde, muss im Hinblick auf das Ausstellen einer AU-Bescheinigung zwischen zwei Fällen unterschieden werden:

Quarantäne, aber keine Symptome
Für Personen, die sich in einer behördlich angeordneten Quarantäne befinden, aber keine Krankheitssymptome aufweisen, darf der Vertragsarzt keine AU-Bescheinigung für den Arbeitgeber ausstellen. Dies gilt auch für positiv auf SARS-CoV-2 getestete Personen ohne Symptomatik. In diesem Fall ist die Entgeldfortzahlung durch den Arbeitgeber über die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz gesichert. Nähere Informationen finden Sie hier.

Sobald aber eine Person, die bisher symptomfrei war, während der Quarantäne erkrankt, besteht von diesem Zeitpunkt an Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit. In diesem Fall ist also eine AU-Bescheinigung erforderlich.

Quarantäne und Symptome
Bei einer bestätigten Infektion mit dem Coronavirus und Krankheitssymptomen stellt der behandelnde Vertragsarzt eine AU-Bescheinigung aus. In diesem Fall erfolgt die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, der diese aber nicht vom Bundesland erstattet bekommt. Weitere, detaillierte Angaben zum Umgang mit Bescheinigungen von Arbeitsunfähigkeit per Fernbehandlung, finden Sie hier.

Sie erreichen uns für alle Fragen, die Ihre Abrechnung betreffen, unter der Telefonnummer
0231 – 945 362 800. Für eine E-Mail folgen Sie einfach dem folgenden Button.

Kontakt