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Meine Praxis – mein Honorar!

So vermeiden Sie unnötige Honorarverluste!

In der Privatliquidation enstehen Honorarverluste von durchschnittlich 4,5 Prozent pro Jahr. In Zahlen: Ein Verlust von 13.500 Euro bei einer Zahnarztpraxis mit einem Privatliquidationsanteil von 300.000 Euro im Jahr. Die Dokumentation der Leistungen erfolgt idealerweise direkt im Behandlungszimmer. In einer voll digitalisierten Praxis werden neben den entsprechenden Texten auch bereits die Ziffern eingetragen. Am Ende des Tages werden diese Eingaben anhand der Tagesstatistik oder Tagesliste kontrolliert und zur Rechnungserstellung freigegeben. Dieser Workflow soll die Vollständigkeit und Plausibilität bzw. die Gebührenkonformität der Abrechnung sicherstellen.

Warum entstehen Honorarverluste?

Honorarverluste entstehen nicht, weil operative Hauptleistungen oder Standardbehandlungsmaßnahmen wie Füllungen oder Präparationen, sondern Begleitleistungen oder Sichtkontrollen aufgrund verschiedener Faktoren vergessen werden. Beim Betrachten der zugrundeliegenden Einflussfaktoren für die Privatliquidation lassen sich vier wichtige Aspekte identifizieren, die Einfluss auf das Vermeiden von Honorarverlusten haben.

Einflussfaktoren für die Privatliquidation

Leistungen:

Abrechnungstipps Vermeidung Honorarverluste Tabelle 1

Häufig lassen sich in der Praxis schnell fünf Leistungsbereiche identifizieren,
bei denen Honorarpotenziale zu finden sind:

Leistungsbereiche:

  • Sichtkontrollen
  • Beratung und Untersuchung
  • Mehrfachberechnungen
  • Chairside-Leistungen
  • Begleitleistungen

Beispiel: PAR-Therapie im Unterkiefer

Während der PAR-Therapie im Unterkiefer werden cervikale Füllungen an den Zähnen 36 und 42 finiert und poliert sowie eine Schmelzabsplitterung am Zahn 35 geglättet. Abgerechnet wurden dafür folgende Leistungen:

Abrechnungstipps Vermeidung Honorarverluste Tabelle 2.1

Gemäß der Beschreibung der erbrachten Leistungen hätten jedoch folgende Leistungen zur Abrechnung kommen müssen:

Abrechnungstipps Vermeidung Honorarverluste Tabelle 3.1

Bei einem zugrunde gelegten Mittelwert (Faktor 2,3) entstand in diesem Beispiel aufgrund der fehlenden Berücksichtigung von zwei der genannten Einflussfaktoren ein Honorarverlust von 22,37 Euro: Durch fehlende Aufmerksamkeit wurde in der Patientenkartei statt der Politur der Füllungen die Beseitigung scharfer Zahnkanten dokumentiert. Daher wurde die GOZ-Nr. 4030 im Unterkiefer je Kieferhälfte berechnet. Aufgrund fehlender Kenntnis der Leistungsbeschreibungen erfolgte keine plausible und mit den tatsächlich erbrachten Leistungen übereinstimmende Dokumentation und Abrechnung: Die GOZ-Nr. 2130 für die Füllungspolitur wurde daher schlicht vergessen.

Wichtig für die vollständige und gebührenkonforme Abrechnung ist daher, dass die tatsächlich erbrachte Leistung auch entsprechend dokumentiert wird. Dafür kann es je nach Praxisteam durchaus erforderlich sein, die Abrechnungsregeln von regelmäßig vorkommenden Behandlungen im Rahmen von Teamsitzungen zu besprechen und Dokumentationsregeln aufzustellen.

Janine Schubert, Leitung Erstattungsservice Zahnärzte BFS health finance

Janine Schubert, Betriebswirtin (BA), ist Spezialistin für Gebührenrecht Zahnärzte/MKG. Seit 2010 ist Frau Schubert bei der BFS health finance GmbH tätig, leitet seit 2015 den Erstattungsservice Zahnärzte und coacht Zahnarztpraxen im Bereich Abrechnung.