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Neuzugang im BEMA: die Unterkieferprotrusionsschiene

Nachdem im Juli 2021 bereits ein frischer Wind in Form der neuen PAR-Richtlinie durch den BEMA wehte, startet das Jahr 2022 mit einem weiteren Neuzugang.

Die Unterkieferprotrusionsschiene (nachfolgend UKPS) kann ab dem 01.01.2022 bei gesetzlich versicherten Patient:innen über den BEMA abgerechnet werden.

Es handelt sich bei der UKPS um eine zweiteilig verstellbare Schiene, die während des Schlafens auf den Zähnen getragen wird. Beide Schienen sind durch seitlich angebrachte Stege miteinander verbunden; der Unterkiefer wird in seiner Position gehalten oder leicht nach vorn geschoben, wodurch die Muskeln stabil bleiben und die Atemwege offen.

Welche Voraussetzungen für die Berechnung erfüllt werden und was Sie darüber wissen müssen, erfahren Sie komprimiert und praxistauglich in diesem Beitrag.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Neueinführung der UKPS in die kassenzahnärztliche Versorgung bietet Patient:innen, bei denen eine Überdrucktherapie erfolglos war, eine vielversprechende Behandlungsoption ohne eine Privatleistung in Anspruch nehmen zu müssen. Für die zahnärztlichen Praxen bedeutet die Aufnahme der UKPS in das kassenzahnärztliche Versorgungsspektrum vor allem folgende Änderungen:

  • Sechs neue Leistungen im BEMA Teil 2 (UP1 – UP6)
  • Verstärkte Zusammenarbeit mit den überweisenden Schlafmediziner:innen

Die Behandlungsstrecke

Nachstehend können Sie sich einen Überblick über die Behandlungsabläufe bei der Versorgung mit einer UKPS verschaffen.

Im Gegensatz zu Aufbissbehelfen, Zahnersatz- und PAR-Behandlungen lassen die Regelungen für die UKPS ein Genehmigungsverfahren vermissen. Voraussetzung ist lediglich  die Überweisung einer Schlafmediziner:in[1] an die Zahnärzt:in. Die Indikationsstellung und Therapie erfolgt durch eine Vertragsärzt:in mit entsprechender Qualifikation, welche die behandlungsbedürftige Schlafapnoe diagnostiziert und als ersten Behandlungsschritt eine Überdrucktherapie verordnet. Wenn diese nicht erfolgreich ist, kann die UKPS als zweite Behandlungsmöglichkeit durch eine zahnärztliche Praxis angefertigt werden.

Die Patient:innen mit der entsprechenden Überweisung stellen sich in der zahnärztlichen Praxis vor und nach klinischer Untersuchung erfolgt eine Einschätzung, ob die Versorgung mit einer UKPS möglich ist.

Hinweise:

  • Es gibt kein Genehmigungsverfahren.
  • Eine Berechnung der BEMA-Nr. 2 im Zusammenhang mit der Planaufstellung für eine UKPS ist nicht gestattet.
  • Sollte festgestellt werden, dass aus zahnmedizinischer Sicht die Anfertigung einer UKPS nicht möglich ist, kann die BEMA-Nr. UP1 als einzige Leistung über die KB-Abrechnung abgerechnet werden. Die entsprechende Dokumentation erfolgt in der Patientenkartei.

Mögliche Kontraindikationen für die Therapie mit einer UKPS können sein:

  • Eingeschränkte Mundöffnung
  • Nicht ausreichende Verankerungsmöglichkeiten
  • Mangelnde Protrusionsbewegungsmöglichkeit des Unterkiefers
  • Kiefergelenksstörungen

Sollten im Rahmen der Therapieplanung Planungsmodelle notwendig sein, können diese mit der BEMA-Nummer 7b berechnet werden. Dies kann vor allem dann notwendig sein, wenn die alleinige Beurteilung der klinischen Situation nicht ausreicht, um herauszustellen, ob die Therapie mit einer UKPS möglich ist oder welcher Schienentyp am geeignetsten ist.

Sind die Voraussetzungen aus zahnmedizinsicher Sicht erfüllt, erfolgen Abformung und die dreidimensionale Registrierung der Startprotrusionsposition. Bei der Abdrucknahme kann in den Fällen, in denen ein konfektionierter Löffel nicht ausreicht, die Verwendung eines individuellen oder individualisierten Löffels angezeigt sein. Die zusätzliche Abrechnung von zahnärztlichem Honorar bei Anwendung besonderer Abdruckverfahren ist jedoch nicht zulässig, sodass hier nur die Berechnung im zahntechnischen Labor erfolgen kann.

Nach der individuellen Anfertigung im zahntechnischen Labor wird die UKPS durch die Zahnärzt:in eingegliedert. Die einzustellende Protrusion wird hierbei durch die überweisende Vertragsärzt:in vorgegeben, sodass eine enge Abstimmung zwischen Schlaf- und Zahnmedizin erforderlich sein wird. Diese Abstimmungen finden ihre Honorierung in der BEMA-Nummer 181.

Die Leistungsziffern UP4, UP5 und UP6 werden für Nachadaptionen, Kontrollen und Wiederherstellungsmaßnahmen in Ansatz gebracht.

Die neuen Positionen

Insgesamt sechs neue Leistungspositionen finden sich im zweiten Teil des BEMA. Die Überschrift wurde wie folgt angepasst: „Behandlungen von Verletzungen des Gesichtsschädels (Kieferbruch), Kiefergelenkserkrankungen (Aufbissbehelfe) und obstruktiver Schlafapnoe (Unterkieferprotrusionsschiene)“. Die neuen Leistungen mit den wichtigsten Abrechnungshinweisen entnehmen Sie der nachfolgenden Übersicht:

UP1Untersuchung zur Versorgung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene, einschließlich Beratung- Ä1 in gleicher Sitzung nur berechnungsfähig, wenn sie einem anderen Zwecke dient

- In einer nachfolgenden Sitzung kann die BEMA-Nummer Ä1 nur als alleinige Leistung berechnet werden
UP2Abformung und dreidimensionale Registrierung der Startprotrusionsposition- Die zusätzliche Abrechnung von zahnärztlichem Honorar bei Anwendung besonderer Abdruckverfahren ist nicht zulässig.

- Sollten Planungsmodelle notwendig sein, können diese nach BEMA-Nr. 7b berechnet werden
UP3Eingliedern einer Unterkieferprotrusionsschiene, einschließlich BeratungIn Abstimmung mit der überweisenden Vertragsärzt:in
UP4Nachadaption des ProtrusionsgradsIn Abstimmung mit der überweisenden Vertragsärzt:in
UP5Kontrollbehandlung

a) ggf. mit einfachen Korrekturen der UP

b) mit Einschleifen der Stütz- und Gleitzonen einer UP (subtraktive Methode)

c) mit Aufbau der Stütz- und Gleitzone der UP
Je Sitzung ist nur eine der Leistungen nach den Nrn. UP5 a bis UP5 c abrechenbar
UP6Maßnahmen zum Wiederherstellen der Funktion oder zur Erweiterung einer Unterkieferprotrusionsschiene

a) Kleineren Umfanges (ohne Abformung)

b) Größeren Umfanges (mit Abformung)

c) Teilunterfütterung einer UP

d) Wiederherstellung eines einzelnen oder mehrerer Halte- oder Stützvorrichtungen

e) Wiederherstellung eines einzelnen oder mehrerer Protrusionselemente
Für das Reinigen, Säubern und Polieren von Unterkieferprotrusionsschienen einschließlich der Protrusionselemente können den Krankenkassen keine Kosten berechnet werden.

Die Abrechnung der BEMA-Nummern UP1 bis UP6 erfolgt über die monatliche KB-Abrechnung mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV).

[1] Die Versorgung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene kann nur auf Veranlassung eines Vertragsarztes mit der Zusatzbezeichnung „Schlafmedizin” oder der Qualifikation nach § 6 Absatz 2 der Qualitätssicherungsvereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband zur Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen gemäß § 135 Abs. 2 SGB V abgerechnet werden.

Für eine Beratung zu Ihrer individuellen Abrechnung oder bei konkreten Rückfragen, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.

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