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Praxistipps für Ihre Abrechnung

Der Sprechstundenbedarf: Bestellung und Berechnung

Der Sprechstundenbedarf dient der Versorgung Ihrer gesetzlich versicherten Patienten. Aber Vorsicht: Achten Sie darauf, die bestellten Materialien nicht wie selbstverständlich ebenfalls für Ihre privat versicherten Patienten zu verwenden. Ansonsten können Ihnen nachträgliche Regresse drohen. Wir haben Ihnen einige Tipps zur Abrechnung des Sprechstundenbedarfs zusammengestellt.

Tipp 1: Bestellen Sie die Spüllösungen für Privatpatienten auf Praxisrechnung

Werden bei operativen oder invasiven Eingriffen für Wundbehandlungen oder zur Notfallbehandlung Spüllösungen eingesetzt, können diese über das Sprechstundenbedarfsverordnungsblatt bestellt werden. Sie dürfen aber ausschließlich zur Behandlung von Kassenpatienten eingesetzt werden.

Bei einem privatversicherten Patienten hingegen können diese Spüllösungen nach §10 GOÄ als Auslagen dem Versicherten in Rechnung gestellt werden. Somit sind sie auf eigene Praxisrechnung bei einem Lieferanten oder bei der Apotheke zu beziehen.

Wenn Sie privatversicherte Patienten mit der Spüllösung aus den Kassenbereich versorgen würden, wäre dies sowohl ein Verstoß gegen die GOÄ als auch gegen die Sprechstundenvereinbarung.

Tipp 2: Prüfen Sie alle verwendeten Materialien

Beachten Sie die Vorschriften der GOÄ hinsichtlich der Inrechnungstellung der Materialien bei Privatpatienten. Kleinmaterialien, wie Verbandmittel und Holzspatel sowie eine abschließende Liste von Einmalartikeln (z.B. Einmalspritzen, Einmalskalpelle, vgl. §10 Abs. 2 GOÄ) sind nicht gesondert berechnungsfähig. Allerdings sind zusätzliche Einmalinstrumente, wie zum Beispiel Cutter und Bergesäcke für Eingriffe sowie Einmal-Abdecksets nach wie vor als Auslagenersatz berechnungsfähig. Bei Wundbehandlungen sollten Sie deshalb immer alle weiteren verwendeten Materialien einzeln bewerten und prüfen, ob diese dem Privatpatienten in Rechnung gestellt werden können.

Tipp 3: Analysieren Sie Ihren Bestellprozess

Überprüfen Sie Ihre Sprechstundenbedarfsbestellungen aus dem letzten Jahr. Hierzu stellt Ihnen Ihre Apotheke sicherlich gerne eine entsprechende Gesamtaufstellung zur Verfügung. Sobald Sie in dieser Liste die Materialien identifiziert haben, die auch für die GOÄ-Patienten verwendet werden können, sollten Sie im nächsten Schritt prüfen, ob diese als Auslage nach §10 der GOÄ Ihren Privatpatienten in Rechnung gestellt werden können. Achten Sie unbedingt darauf, das benötigte Material auf Rechnung bei Ihrer Apotheke oder bei Ihrem Lieferanten zu bestellen und diese Rechnung sorgfältig aufzubewahren.

Tipp 4: Kontrollieren Sie die Auslagenpreise

Falls Sie Rabatte (ausgenommen Skonti) erhalten haben, müssen Sie diese auf der Rechnung an Ihre Patienten weitergeben. Hinterlegen Sie sich hierfür am besten immer Ihre Auslagen in einem Übersichtsdokument und überprüfen Sie die Preise mindestens einmal im Jahr auf Aktualität.

Tipp 5: Behalten Sie den Überblick

Für einen stets guten Überblick kann bereits die gesonderte Aufbewahrung der Materialien sorgen: Lagern Sie die für Privatpatienten gekauften Materialien getrennt von denen für Ihre GKV-Patienten. So sehen Sie auch auf einen Blick, wann die nächste Nachbestellung auf Praxisrechnung ansteht.

Eine weitere Variante: Führen Sie einen Sprechstundenbedarfsschrank mit Übersichtslisten für alle Materialien der Privat- und Kassenpatienten. Vermerken Sie in dieser Liste, wenn aus diesem Schrank etwas für Ihre Privatpatienten entnommen wurde. Sind nach Stückzahlüberprüfung die Materialien für die Privatpatienten aufgebraucht worden, sollten diese erneut auf Praxisrechnung bestellt werden.

Sie haben noch Fragen? Wir sind für Sie da. 

Haben Sie Fragen zur Berechnung von Auslagen nach §10 der GOÄ? Dann steht Ihnen Ihr BFS Coach gerne zur Verfügung. Schicken Sie uns einfach Ihre schriftliche Anfrage über unser BFS-Mandantenportal.

Über die Autorin: 

Sonja Hohe

Sonja Hohe

Senior Investment & Strategy Manager

BFS health finance GmbH

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