150 150 BFS

Die Psychotherapie liegt in der Telemedizin vorne

In der Psychotherapie wird die Videosprechstunde am meisten genutzt

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben neun von zehn Psychotherapeuten die Videobehandlung bereits genutzt.[1] Ebenso viele Psychotherapeuten konnten sich zum Zeitpunkt der Umfrage vorstellen, die Videobehandlung auch nach dem Ende der Pandemie weiterhin zu nutzen.

Der anhaltende Innovationsschub und die Motivation der ärztlichen und nicht-ärztlichen Psychotherapeuten, die Videosprechstunde in die Behandlung miteinzubinden, spiegeln sich auch in den aktuellen Mitteilungen der KBV[2] und der Psychotherapeuten-Kammer Baden-Württemberg[3] wieder: nach KBV-Angaben entfielen im repräsentativen Quartal 2/2020 ¾ aller abgerechneten Videosprechstunden auf die Fachgruppe der Psychotherapeuten; danach rechnete jeder Therapeut in den Monaten April bis Juni im Durchschnitt 47 Videosprechstunden ab. Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie sind die Zahlen ebenso hoch. Ein übereinstimmendes Bild zeigt sich auch in Baden-Württemberg: Die Psychotherapeuten-Kammer hat bekanntgegeben, dass der Anteil der psychotherapeutischen Behandlungen per Videosprechstunde während der Corona-Pandemie deutlich gestiegen sei. Manche Mitglieder hätten sogar beinahe ausschließlich Videosprechstunden durchgeführt.

Präsenz- und Videobehandlungen werden in der Psychotherapie kombiniert

Nach den Erfahrungen der Psychotherapeuten stellen Videobehandlungen eine wichtige Ergänzung für die Versorgung ihrer Patienten dar, auch wenn die Präsenzbehandlung weiterhin selbstverständlich der Gold-Standard bleibt[4]. Der ganz überwiegende Teil der Psychotherapeuten ist der Auffassung, dass mit Hilfe von Videobehandlungen die psychotherapeutische Versorgung und die Behandlungskontinuität verbessert werden können. Auch könnten Menschen mit chronischen körperlichen Erkrankungen oder Menschen, die aufgrund ihrer Arbeit viel reisen müssen, die Wege zur Praxis erspart werden; so werde es überhaupt für einige Patienten möglich gemacht, die Behandlungstermine wahrzunehmen.

Abrechnungsfähige Leistungen

Für die GKV sind weiterhin die pandemiebedingten Ausnahmeregelungen in Kraft, wonach die Einzelpsychotherapie und auch die psychotherapeutischen Sprechstunden und probatorischen Sitzungen (auch neuropsychologische Therapie) per Videosprechstunde möglich sind (derzeit befristet bis zum 30.09.2021). Bis zum Ende des 2. Quartals 2021 bleiben die Begrenzungsregelungen für die Anzahl der ausschließlichen Video-Behandlungsfälle (20% aller Behandlungsfälle) weiterhin ausgesetzt.

  • BFS-Tipp
    Viele praxisrelevante Fragen zur Durchführung der Videosprechstunde (bspw. Durchführung von Videobehandlungen von zu Hause, Beihilfe-Abrechnung) finden Sie im FAQ-Bereich des BVVP.

Unabhängig von der Corona-Pandemie ist die Psychotherapie per Videobehandlung bei gesetzlich versicherten Patienten regulär möglich, wenn

  • bereits ein persönlicher Erstkontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung stattgefunden hat und
  • kein unmittelbarer persönlicher Kontakt mit der Patientin oder dem Patienten aus therapeutischer Sicht erforderlich ist.
GOPBezeichnung
22220/23220Psychotherapeutisches Gespräch (Einzelbehandlung)
35150Probatorik
35151Psychotherapeutische Sprechstunde
35401/35411/35421Kurzzeittherapie 1, Einzelbehandlung
35402/35412/35422Kurzzeittherapie 2, Einzelbehandlung
35405/35422/35425Langzeittherapie, Einzelbehandlung
Eine Übersicht aller in der Videosprechstunde abrechnungsfähigen Leistungen finden Sie bei der KBV.

Auch für die Privatabrechnung sind die Abrechnungsempfehlungen für psychotherapeutische Versorgung während der Corona-Pandemie bis zum 30.09.2021 verlängert worden:

  1. Der Hygienezuschlag (Ziff. 245 GOÄ analog) kann weiterhin zum einfachen Satz für jedes persönliche Gespräch abgerechnet werden.
  2. Die Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung (GOÄ-Ziff. 801, 807, 808, 860, 885) können unter besonderen, pandemiebedingten Umständen per Videosprechstunde durchgeführt werden. Das gleiche gilt für bestimmte psychotherapeutische Untersuchungs-/Therapieleistungen: GOÄ-Ziff. 804, 806, 817, 846, 849, 861, 863, 870, 886.
  3. Ebenfalls befristet bis zum 30.09.2021 kann die Ziff. 60 GOÄ für (Video-)Konsile abgerechnet auch dann abgerechnet werden, wenn pandemiebedingt zuvor kein persönlicher Kontakt mit dem Patienten möglich war. Es genügt vor einem (Video-)Konsil also, wenn der Patient zuvor per Videoübertragung behandelt worden ist.

Den Wortlaut der Abrechnungsempfehlung finden Sie auf der Website der BÄK.

Die telefonische Beratung ist regulär über die Ziff. 1 bzw. 3 GOÄ abzurechen; bei längeren Beratungsleistungen auch mit ggf. erhöhtem Gebührensatz.

  • BFS-Tipp
    Die psychotherapeutische Akutbehandlung ist zukünftig auch per Video möglich. Der Bundestag hat die notwendige Flexibilität in akuten Krisen in der 2./3. Lesung des Gesetzes zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) beschlossen. Der Bewertungsausschuss wurde beauftragt, bis zum 30. September 2021 Voraussetzungen festzulegen, unter deren Berücksichtigung die psychotherapeutische Akutbehandlung im Rahmen einer Videosprechstunde erbracht werden kann. Die Akutbehandlung besteht aus bis zu 24 Gesprächseinheiten à 25 Minuten. Ein einzelner Behandlungstermin kann aus mehreren solcher Einheiten bestehen, zum Beispiel viermal 25 Minuten. Die Akutbehandlung muss nicht bei der Krankenkasse beantragt werden.

[1] BPtK-Studie v. 05.11.2020; https://www.bptk.de/publikationen/bptk-studie.
[2] Dt. Ärzteblatt, PP 20, Ausgabe März 2021, Seite 100.
[3] Zeit Online v. 15.06.2021; https://www.zeit.de/news/2021-06/15/mehr-psychotherapeuten-behandeln-per-videosprechstunde.
[4] S. Fn 1, BPtK-Studie.