150 150 BFS

Sommerhitze in der Praxis

Personal und Patienten vorbereiten

Haben Sie in 2019 auch schon den einen oder anderen Hitzekollaps behandelt? Hitzewellen mit bis zu 40° Celsius haben Deutschland diesen Sommer immer wieder fest im Griff. Extreme Temperaturen gehen auch an Arztpraxen und Krankenhäusern nicht spurlos vorbei. Dabei haben sie eine Schlüsselrolle bei der Versorgung durch Hitze gefährdeter Patienten. BFS gibt Ihnen Tipps wie Sie, Ihr Team und Ihre Patienten auch bei hohen Temperaturen „cool“ bleiben und erklärt, wann es in der Praxis Hitzefrei geben muss.

Extrem hohe Temperaturen erhöhen nicht nur das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte, auch Dehydrierung oder ein Kreislaufkollaps gehören zu häufigen gesundheitlichen Gefahren längerer Hitzeperioden. Vor allem Hausärzte können ihre Patienten jedoch vorbereiten und so für etwas Abkühlung sorgen.

Zu vorbeugenden Maßnahmen gehört es unter anderem schon während des noch milderen Frühjahrs eine Hitze-Beratung vor allem in die Routineversorgung chronisch kranker Patienten zu integrieren. Die Empfehlung den Lebensstil zumindest vorübergehend den Temperaturen entsprechend zu ändern und auch der Hinweis auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind hier nie fehl am Platz. Eine zusätzliche Überprüfung und gegebenenfalls eine Anpassung der Medikamenteneinnahme und des Arzneimittelregimes können helfen, hitzebedingte Nebenwirkungen zu vermeiden und gleichzeitig die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen. Symptome für Hitzestress zu kennen und frühzeitig zu bemerken, ist jedoch essenziell für die Vermeidung von hitzeassoziierter Erkrankungen.  Auch das eigene Personal sollte darauf geschult sein Gesundheitsstörungen durch Hitze zu erkennen. Zeigt ein Patient einschlägige Symptome von Hitzestress, sollten sofort Maßnahmen zur Kühlung oder gegebenenfalls der Transport in ein Krankenhaus veranlasst werden.

Genau wie Patienten kommen aber auch Behandler und ihre Teams ins Schwitzen, wenn der Sommer seinen Höhepunkt erreicht. Als Arbeitgeber müssen Ärzte sich, unabhängig von der Größe der Praxis, an die Arbeitsstättengrundverordnung halten – und die verordnet auch Hitzefrei. Bevor es soweit ist, müssen jedoch verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Lufttemperatur zu senken. Optionen sind hier beispielsweise das Lüften auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen, technische Geräte nur dann zu benutzen, wenn es unbedingt nötig ist, Getränke bereitzustellen oder die Bekleidungsregeln zu lockern. Ab 26° Celsius muss gehandelt werden, um die Temperaturen in den Griff zu bekommen. Passiert das nicht, können neben einem Verfahren durch die Ärztekammer auch ein Bußgeld in Höhe von 5.000€ oder schlimmstenfalls eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr drohen – letzteres aber nur bei Missachtung einer akuten Gesundheitsgefährdung. Steigen die Temperaturen regelmäßig, das heißt mehr als vier Mal im Monat, in unzumutbare Höhen und ist das Bekämpfen der Hitze nicht so einfach möglich, können Ärzte, die ihre Praxisräume angemietet haben, auch den Vermieter in die Pflicht nehmen.

Bei konstanter Raumtemperatur von mindestens 35° Celsius in der Praxis wird der Arzt jedoch, unabhängig von einem Mietverhältnis, nach Arbeitsstättenverordnung A3.5 Hitzefrei geben müssen.

Weitere Tipps rund um den Praxisalltag finden Sie hier!