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Teil 3: Neuer Kommentar zur GOZ der Zahnärztekammer Nordrhein (NoKo)

Eine Gegenüberstellung

Dies ist der dritte und abschließende Teil unserer Reihe, in der wir die Kommentare der Bundeszahnärztekammer und der Landeszahnärztekammer Nordrhein zur GOZ einander gegenüberstellen. Wir werden uns dabei den Bereichen Kieferorthopädie und Implantologie widmen.

1. GOZ 6000 Profil- oder Enfacefotografie

Die enorale bzw. intraorale Fotografie ist vor allem  zum Visualisieren  besonderer Befunde,  wie z.B. gestörter Kiefer-Gesichtsbeziehungen, gestörten Mundschlusses, krankhafter Befunde der Mundschleimhaut und ähnlichem geeignet. Sie ermöglicht dem Zahnarzt ein besseres Erklären und Aufzeigen von eventuellen Problemen oder Erkrankungen, dient  aber auch der Dokumentation von erfolgreichen Therapien sowie der medizinischen Notwendigkeit. Diese Leistung ist jedoch weder nach GOZ 6000 berechnungsfähig noch in der GOZ 2012 oder  in den geöffneten Bereichen der GOÄ enthalten. Insofern empfehlen die BZÄK und der gerichtsrelevante Kommentar von Liebold/Raff/Wissing die analoge Berechnung. Der NoKo hingegen empfiehlt die Berechnung als Laborleistung gemäß BEB. Dies, obwohl auch das GOZ—Beratungsforum bereits im Mai 2017, dem Vertreter der Bundeszahnärztekammer, dem Verband der Privaten Krankenversicherungen und den Beihilfestellen von Bund und Ländern angehören, „Fotos, die therapeutischen oder diagnostischen Zwecken, nicht jedoch einer kieferorthopädischen Auswertung dienen“ als analog zu berechnende Leistung bestätigt hat.

2. GOZ 6110 – Entfernung eines Klebebrackets

Uneinig sind sich beide Kommentare bei folgendem Behandlungsfall: Patient Müller bekommt am 16.09.2018 bei seinem Kieferorthopäden Z die Brackets entfernt. Am 05.10.2018 wird Patient Müller bei seinem Hauszahnarzt A vorstellig, der verbliebene Klebereste an den Zähnen 12-35 entfernt.

Der NoKo empfiehlt für diese Leistung die Ziffer GOZ 1040 zu berechnen, sofern der vollständige Leistungsinhalt erbracht wurde. Die BZÄK hingegen empfiehlt in ihrer Analogliste die analoge Berechnung, bei der die Gebührenziffer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand vom Behandler nach seinem Ermessen gewählt werden kann. Insofern kann es hier durchaus zu Honorardefiziten kommen, wenn eine höher bewertete Gebührenziffer als Vergleichsziffer herangezogen wird.

Sofern Sie in Ihrer Praxis vor der Frage der Berechnung stehen, entscheiden Sie sich für eine der Auslegungen und setzten diese stringent um.

3. GOZ 6140 / 6150 – Eingliederung eines geteilten / ungeteilten Bogens

Da es zu dieser Thematik bereits eine umfassende Sammlung an Gerichtsurteilen gibt, möchten wir hier lediglich auf das Urteil vom 19.07.2017 des Amtsgerichts Ludwigsburg (az.: 6 C 2064/16) verweisen:

„Ferner hat er überzeugend erläutert, dass die Position GOZ 6150 die Ausgliederung / Entfernung des Bogens gerade nicht umfasst (vgl. hierzu näher S. 3 des Protokolls vom 05.07.2017, BI. 92 d.A.). Schließlich hat er mit den Positionen GOÄ 2702 und EKR 2290 zwei vertretbare Möglichkeiten für die Berechnung aufgezeigt und dies einleuchtend begründet (vgl. hierzu näher S. 3 des Protokolls vom 05.07.2017, BI. 92 d.A.). Insofern durften Dres. die Positionen GOÄ 2702 hier abrechnen (…).“

Insofern gilt: Die Berechnung der Entfernung eines Teilbogens oder Bogens ist grundsätzlich zulässig. Entscheiden Sie sich daher in Ihrer Praxis für eine der in Frage kommenden Gebührenziffern und berücksichtigen Sie dabei die unterschiedliche Honorierung beider Ziffern:

GOZ 2290 – Faktor 2,3 = 23,28 EUR

GOÄ 2702 – Faktor 2,3 = 40,23 EUR

4. GOZ 9000 – Implantatbezogene Analyse

Die Aussagen beider Kommentare unterscheiden sich hinsichtlich der Möglichkeit der erneuten Berechnung im Überweisungsfall deutlich voneinander. In der Praxis müssen Sie sich daher bei der Berechnung der erbrachten Behandlung bewusst sein, dass eine private Krankenversicherung ihre ablehnende Haltung beispielsweise auf den NoKo bezieht, wenngleich die von Ihnen getätigte Berechnung von der BZÄK befürwortet wurde.

5. GOZ 9090 – Knochengewinnung

Bei Betrachtung der Kommentierung des NoKo zur Berechnungsfähigkeit der GOZ 9090 wird deutlich, dass diese auf die Implantatinsertion begrenzt ist. Die BZÄK hingegen hält die Berechnung auch bei der Periimplantitistherapie oder im Rahmen der Socket Preservationfür möglich. . Insofern weichen beide Kommentare auch hier voneinander ab. Sollten Sie die GOZ 9090 bspw. im Falle einer Periimplantitistherapie erbracht und entsprechend berechnet haben und von ihrem Patienten ein Schreiben einer PKV vorgelegt bekommen, die ihre ablehnende Haltung auf den NoKo stützt, kann der Kommentar von Liebold/Raff/Wissing hilfreich und damit auch ein Richtwert sein, da dieser die Auffassung der BZÄK in dieser Hinsicht stützt:

„Im Zusammenhang mit der „Socket Preservation“ oder periimplantärer Knochentaschen ist das Einbringen von Knochen aus dem Operationsgebiet nach GOZ 9090 berechenbar und/oder die Einbringung von Knochenersatzmaterial analog nach § 6 Abs. 1 GOZ zu berechnen.“

 

Über die Autorin

Janine Schubert ist Spezialistin für Gebührenrecht Zahnärzte / MKG. Seit 2010 ist Frau Schubert, Zahnmedizinische Fachangestellte und Betriebswirtin (B.A.), bei der BFS health finance GmbH tätig. Sie leitet seit 2015 den Erstattungsservice Zahnärzte und coacht Zahnarztpraxen im Bereich Abrechnung.