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Telemedizinische Leistungen richtig abrechnen

Abrechnungstipps mit Zukunft

Haben Sie bereits einen Patienten telemedizinisch behandelt oder würden gerne in der Zukunft eine telemedizinische Sprechstunde in Ihrer Praxis anbieten? Wir verraten Ihnen, was Sie bei der Berechnung telemedizinischer Behandlungen beachten müssen.

Denn seit der Neufassung des § 7 Abs. 4 der Musterberufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte (MBO-Ä) ist die Durchführung einer Fernbehandlung auch ohne vorherigen Kontakt zum jeweiligen Patienten möglich. Gerne möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über die Voraussetzungen der Abrechnung telemedizinischer Leistungen geben.

Welche Voraussetzungen müssen vorliegen um einen Patienten ausschließlich aus der Ferne zu behandeln?

7 Abs. 4 Satz 3 MBO-Ä erlaubt eine ausschließliche Fernbehandlung nur dann, wenn es im Einzelfall ärztlich vertretbar ist und „die erforderliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird.“.

Die Verantwortung dafür, ob die ausschließliche Fernbehandlung im konkreten Einzelfall ärztlich vertretbar ist, liegt damit ausschließlich beim Arzt. Dieser trägt auch das Risiko einer Fehldiagnose oder der falschen Befunderhebung mit der Folge eines Behandlungsfehlervorwurfes.

Vor Behandlungsbeginn müssen Sie den Patienten auf die Unterschiede zum persönlichen Kontakt hinweisen (vgl. §§ 8 Satz 2 MBO-Ä, 630 e Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGB). Zur Erfüllung Ihrer Aufklärungspflicht reicht es auch in diesem Fall nicht aus, den Patienten alleine schriftlich aufzuklären. Es kann aber bei der ausschließlichen Fernbehandlung sinnvoll sein, neben der mündlichen Aufklärung, dem Patienten Informationen per E-Mail ergänzend zukommen zu lassen. Im Anschluss an die erfolgte Aufklärung über die Besonderheiten der Fernbehandlung sollten Sie dies dokumentieren. Ebenso sollten Sie dokumentieren, warum aus Ihrer Sicht die ausschließliche Fernbehandlung in diesem Einzelfall ärztlich vertretbar war, um im Zweifelsfall auf diese Dokumentation zurückgreifen zu können.

Welche Leistungen können erbracht und abgerechnet werden?

Anders als der EBM, der bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Abrechnung telemedizinischer Leistungen (wie z.B. die Videosprechstunde oder die Überwachung von Patienten mit einem Defibrillator) möglich macht, kennt die Gebührenordnung selbst (noch) keine Abrechnungsziffern für telemedizinische Behandlungen.

Auf Grund der räumlichen Entfernung zwischen Arzt und Patient können allerdings nur solche GOÄ Ziffern in Ansatz gebracht werden, die typischerweise nicht die Anwesenheit des Arztes und des Patienten in einem Raum voraussetzen.

Daher kommt aus Sicht der Verfasserin der Ansatz der GOÄ Ziffer 1 (Beratung-auch mittels Fernsprecher-), GOÄ Ziffer 3 (Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung- auch mittels Fernsprecher) und der GOÄ Ziffer 4 (Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken und/oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson(en) – im Zusammenhang mit der Behandlung eines Kranken –) in Betracht. Den zuvor genannten Ziffern ist gemein, dass diese keinen direkten Kontakt zwischen Arzt und Patienten erfordern und daher auch im Wege einer Fernbehandlung erbracht werden können.

Falls der Einzelfall aufgrund der Art der Erkrankung und der technischen Möglichkeiten die Durchführung einer symptombezogenen Untersuchung zulässt, kann auch die GOÄ Ziffer 5 in Ansatz gebracht werden. Hier könnten als Beispiel solche Erkrankungen in Frage kommen die lediglich einer optischen Wahrnehmung bedürfen und keine zusätzliche Wahrnehmung oder Hilfsmittel erforderlich machen.

Des Weiteren erscheint es möglich die Zuschläge A-D anzusetzen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Können im Rahmen der Fernbehandlung Arzneimittel verschrieben werden?

Aus berufsrechtlicher Sicht ist eine Verschreibung von Arzneimitteln auch bei einer Fernbehandlung möglich.

Derzeit hindern jedoch einige andere gesetzliche Regelungen die Verordnung von Arzneimitteln in der Fernbehandlung. So darf z.B. der Apotheker gemäß § 48 Abs. 1 Satz 2 und 3 Arzneimittelgesetz keine verschreibungspflichtigen Arzneimittel abgeben, wenn offenkundig kein direkter Kontakt zwischen Arzt und Patienten stattgefunden hat. Ebenso schließen zurzeit noch § § 8 Abs. 2 AM-RL und § 15 Abs. 2 BMV-Ä eine Fernbehandlung im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung aus.

Zur Frage, ob diese Vorschriften einer ärztlichen Verordnung von Arzneimitteln im Rahmen ausschließlicher Fernbehandlung entgegenstehen, beraten derzeit die zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen.

Können im Rahmen der Fernbehandlung Heilmittel verordnet werden?

Auch die Verordnung von Heilmitteln ist aus berufsrechtlicher Sicht unproblematisch möglich.

Jedoch ist auch hier noch nicht abschließend geregelt, ob die Heilmittelrichtlinie einer Verordnung bei  gesetzlich versicherten Patienten entgegensteht. Auch hierzu beraten zurzeit die zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen.

Darf eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausgestellt werden?

Bei Einhaltung der Vorgaben de §§ 7 Abs. 4, 25 S.1 MBO-Ä wäre dies aus berufsrechtlicher Sicht möglich.

Der Ausstellung einer AU stehen jedoch bei einer reinen Fernbehandlung die Regelungen des Vertragsrechts entgegen (vgl. § 31 Satz 1, Satz 2 BMV-Ä, Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL des G-BA), welche eine persönliche Begutachtung des Gesundheitszustandes des Patienten erfordern. Zusätzlich birgt die Ausstellung einer AU bei einer reinen Behandlung aus der Ferne immer die Gefahr des Missbrauchs und damit einhergehend der Gefahr einer Strafbarkeit des Arztes gemäß § 278 StGB.

Es ist daher zum jetzigen Zeitpunkt von einer Ausstellung einer AU im Rahmen einer reinen Fernbehandlung abzuraten.

Wird es zukünftig telemedizinische Leistungen im Katalog der reformierten GOÄ geben?

Laut dem Beschluss Beschluss des 118. Deutschen Ärztetages soll die Telemedizin in der reformierten GOÄ verankert werden. Hierzu führte der Leiter des GOÄ-Dezernats der BÄK, Dr. Martin Stolaczyk, aus, dass z.B. eine Beratung per E-Mail, die Videosprechstunde oder die ärztliche telekonsiliarische Befundbeurteilung in den Katalog der neuen GOÄ aufgenommen werden. Wann die reformierte GOÄ kommen soll ist bisher noch nicht bekannt, daher bleibt abzuwarten inwiefern die Telemedizin Einzug in die neue GOÄ hält.

Über die Autorin: 

Carla Mackowiak

Spezialistin für Gebührenrecht

BFS health finance GmbH