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Die zahnärztliche Videosprechstunde ab 01.10.2020 richtig abrechnen

Videosprechstunde im BEMA

Auf Grundlage der Vereinbarung über die Anforderungen an technische Verfahren zur Videosprechstunde gemäß § 291g Abs. 5 SGB V, die als Anlage 16 des BMV-Z zwischen KZBV und GKV-Spitzenverband geschlossen wurde, ist seit dem 01.07.2020 die Durchführung der Videosprechstunden über festgelegte Standards in der vertragszahnärztlichen Versorgung möglich.

Die für die Honorierung notwendigen Abrechnungsziffern stehen im BEMA (Bundeseinheitlicher Bewertungsmaßstab) ab dem 01.10.2020 zur Verfügung. Hinter der BEMA Nummer 182 wurden die Gebührennummern VS und VSK in den BEMA-Teil 1 aufgenommen, die BEMA Nummern 181 und 182 wurden angepasst:

VS = Videosprechstunde

  • Die Videosprechstunde VS ist nur bei Versicherten, die einem Pflegegrad nach § 15 SGB XI zugeordnet sind oder eine Eingliederungshilfe erhalten, sowie bei Versicherten, an denen zahnärztliche Leistungen im Rahmen eines Kooperationsvertrages nach § 119b Abs. 1 SGB V erbracht werden, berechnungsfähig.
  • Der Zahnarzt muss in der Patientenkartei dokumentieren, dass der behandelte Patient dem genannten Personenkreis zuzuordnen ist.
  • Die Leistung VS ist grundsätzlich nur als alleinige Leistung berechnungsfähig.
  • Eine Berechnung der Leistung nach Nummer 174b in derselben Sitzung ist in begründeten Ausnahmefällen möglich. Insbesondere dann, wenn aufgrund einer behördlichen Anordnung oder einer freiwilligen Quarantäne im Zusammenhang mit einer meldepflichtigen Krankheit des Patienten oder aufgrund eines meldepflichtigen Nachweises von Krankheitserregern bei dem Patienten ein persönlicher Kontakt des Zahnarztes mit diesem nicht möglich ist.

VFK = Videofallkonferenz mit an der Versorgung des Versicherten beteiligten Pflege- und Unterstützungsperson

  • Die Videosprechstunde VS ist nur bei Versicherten, die einem Pflegegrad nach § 15 SGB XI zugeordnet sind oder Eingliederungshilfe erhalten, sowie bei Versicherten, an denen zahnärztliche Leistungen im Rahmen eines Kooperationsvertrages nach § 119b Abs. 1 SGB V erbracht werden, berechnungsfähig.
  • Der Zahnarzt muss in der Patientenkartei dokumentieren, dass der behandelte Patient dem genannten Personenkreis zuzuordnen ist.
  • Die Leistung VFK ist grundsätzlich als alleinige Leistung berechnungsfähig und auch nur dann, wenn im Zeitraum der letzten 3 Quartale unter Einschluss des aktuellen Quartals ein persönlicher Zahnarzt-/Patientenkontakt stattgefunden hat.
  • Die VFK ist je Quartal und je Versicherten dreimal berechnungsfähig.

Ksl = 181b = Konsiliarische Erörterung mit Ärzten und Zahnärzten im Rahmen eines Telekonsils
und
KslK = 182b = Konsiliarische Erörterung mit Ärzten und Zahnärzten im Rahmen eines Kooperationsvertrages nach § 119b Abs. 1 SGB V im Rahmen eines Telekonsils

  • Ein zeitgleiches Telefonkonsil zwischen Ärzten/Zahnärzten wird bei Nutzung eines nach Anlage 16 BMV-Z zugelassenen Videodienstes als Videokonsil bezeichnet
  • Telekonsile/Videokonsile sind bei allen Versicherten berechnungsfähig und unterliegen damit nicht der Beschränkung der Leistungen VS und VSK.
  • Telekonsile/Videokonsile bieten in der Praxis gerade dann einen deutlichen Mehrwert, wenn Dokumente und Bilder ausgetauscht werden sollen oder/und wenn diese Gesprächsbasis des Konsils sind.
  • Sie sind nur berechnungsfähig, wenn sich der Zahnarzt zuvor oder in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der konsiliarischen Erörterung persönlich mit dem Patienten und dessen Erkrankung befasst hat.
  • Auch dann berechnungsfähig, wenn die Erörterung zwischen einem Zahnarzt und dem ständigen, persönlichen Vertreter des andren Arztes/Zahnarztes stattfand.
  • Für routinemäßige Besprechungen sind sie nicht berechnungsfähig.
  • Nicht berechnungsfähig, wenn die Zahnärzte Mitglieder derselben Praxis- oder Berufsausübungsgemeinschaft gleicher oder ähnlicher Fachrichtung oder desselben MVZs/Z-MVZs sind.

TZ = Technikzuschlag

  • Zur Abgeltung der durchschnittlichen Kosten für die Inanspruchnahme der Videodienstanbieter.
  • Neben den ersten 10 im Quartal erbrachten Leistungen nach VS, VSK oder Ksl bzw. KslK berechnungsfähig.
  • Je Praxis bis zu 10 Mal im Quartal berechnungsfähig.

Folglich wurde mit der Einführung der vorstehend beschriebenen Leistungsnummern nur der Forderung in §§ 87 Abs. 2k und 2l SGB V Rechnung getragen, wenngleich die Covid-19 Pandemie zeigt, dass dieses Angebot auch für alle Patientengruppen, bspw. für Beratungen oder Nachkontrollen, bspw. nach einer Extraktion am Vortag, die Besprechung von prothetischen Behandlungsplanungen oder die Besprechung von Röntgenbefunden nebst Behandlungsplanung, interessant ist, um den Zahnarzt-Patienten-Kontakt aufrechtzuerhalten.

Mit der aktuellen Regelung steht die Möglichkeit der Inanspruchnahme der Videosprechstunde (VS) nur einer eingeschränkten Patientengruppe in der Praxis zur Verfügung. In der reflektierten Betrachtung der Patientenfälle des letzten Jahres und unter Berücksichtigung der zukünftigen Praxisausrichtung/-entwicklung ist daher die Registrierung bei einem Videodienstanbieter kritisch zu prüfen. Fällt die Entscheidung positiv aus, sind die technischen Anforderungen zwingend zu berücksichtigen:

Der Zahnarzt darf für die Durchführung der Videosprechstunde/Telekonsile in seiner Praxis nur einen Videodienstanbieter nutzen, der gemäß § 291g Abs. 5 SGB V (Anlage 16 BMV-Z) zertifiziert ist und muss sich für diesen einen Anbieter registrieren. Eine aktuelle Übersicht der zertifizierten Anbieter finden Sie auf der Homepage der KZBV.

Zur vollständigen apparativen Ausstattung werden in der Praxis in verschiedenen oder einer technischen Einheit folgende Ressourcen benötigt:

  • eine Kamera mit einer Bildschirmdiagonale von mindestens 3 Zoll und einer Auflösung von mindestens 640x480px,
  • ein Mikrofon sowie
  • eine Tonwiedergabeeinheit und
  • eine stabile Internetverbindung mit einer Bandbreite von mind. 2000 kbit/s im Download.

Vertraulichkeit

Vertraulichkeit ist ebenfalls wichtig, denn die Videosprechstunde muss – wie eine normale Sprechstunde – vertraulich und störungsfrei verlaufen und in Räumen stattfinden, die Privatsphäre bieten. Eine Einwilligung des Versicherten in die Datenverarbeitung des genutzten Videodienstanbieters ist vor Beginn der Videosprechstunde einzuholen. Liegt diese vor, muss ebenfalls vor Beginn der Videosprechstunde auf beiden Seiten eine Vorstellung aller im Raum anwesenden Personen erfolgen. Zudem muss die Videosprechstunde werbefrei sein und darf von niemandem aufgezeichnet werden.

Für eine individuelle Beratung zu Ihrer Abrechnung, nehmen Sie gerne Kontakt zu unserem Expertenteam auf.

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Über die Autorin

Janine Schubert, Leiterin Erstattungsservice Zahnärzte/MKG bei BFS health finance

Janine Schubert
Leiterin Erstattungsservice Zahnärzte/MKG