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Videosprechstunden im EBM richtig abrechnen

Gerade in der aktuellen Ausnahmesituation durch COVID-19 kann das Angebot von Videosprechstunden sinnvoll sein, um die Versorgung Ihrer Patienten zu ermöglichen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die seit dem Quartal 4/2019 geltenden Abrechnungsvoraussetzungen und informieren Sie über die anlassbezogenen Sonderregelungen, die aufgrund der Corona-Pandemie für die Videosprechstunde beständig geschaffen werden.

Anwendbarkeit

Die Behandlung per Videosprechstunde können Sie flexibel in allen Fällen nutzen, in denen Sie es für therapeutisch sinnvoll halten. Möglich ist das sowohl bei bekannten als auch unbekannten Patienten. Die Videosprechstunde können alle Arztgruppen einsetzen – ausgenommen sind nur Laborärzte, Nuklearmediziner, Pathologen und Radiologen.

Vertraulichkeit

Vor der ersten Videosprechstunde holen Sie eine Einwilligung des Patienten ein. Zudem muss die eingesetzte Technik und die elektronische Datenübertragung eine angemessene Kommunikation gewährleisten. Auch muss die Videosprechstunde – wie eine normale Sprechstunde – vertraulich und störungsfrei verlaufen und in Räumen stattfinden, die Privatsphäre bieten. So darf die Videosprechstunde beispielsweise von niemandem aufgezeichnet werden, auch nicht von den Patienten. Last but not least: die Videosprechstunde muss frei von Werbung sein.

Technische Anforderungen

Sie müssen sich zunächst für einen zertifizierten Videodienstanbieter entscheiden und sich dort registrieren. Hier finden Sie eine Übersicht.

Daneben benötigen Sie im Wesentlichen einen Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie eine stabile Internetverbindung. Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich.
Die technischen Anforderungen für die Praxis und den Videodienst sind in der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte geregelt.

Abrechnung

Sie können Ihre telemedizinischen Leistungen erst dann abrechnen, wenn Sie die Nutzung eines zertifizierten Videodienstanbieters bei Ihrer zuständigen KV angezeigt haben.

Hinweis:
In einigen KV-Gebieten wurde diese Regelung zurzeit ausgesetzt. Informieren Sie sich hierüber bitte bei Ihrer zuständigen KV.

Bekannte Patienten

Für die Abrechnung nutzen Sie den in Ihrem System hinterlegten Versichertendatenstamm; dokumentieren Sie zudem, dass Sie sich von Ihren Patienten haben versichern lassen, dass keine Veränderungen im Versicherungsverhältnis eingetreten sind.

Unbekannte Patienten

War der Patient bislang noch nicht in Ihrer Praxis, muss der Patient seine Gesundheitskarte im Rahmen des Videotelefonats vorzeigen. Sie verifizieren so die Identität des Patienten und übernehmen die notwendigen Daten für Ihre Abrechnung:

  • Name der Krankenkasse
  • Name, Vorname, Geburtsdatum des Versicherten
  • Versichertenart
  • Postleitzahl des Wohnortes
  • Krankenversichertennummer

Zudem lassen Sie sich von Ihren „neuen“ Patienten das Bestehen des Versicherungsschutzes zum aktuellen Zeitpunkt bestätigen und dokumentieren dies entsprechend.

Wird im weiteren Verlauf desselben Quartals die Gesundheitskarte in der Praxis vorgelegt – unabhängig davon, ob es sich um Bestandspatienten oder „neue“ Patienten handelt –, ist diese einzulesen und die Behandlung auf dieser Datenbasis abzurechnen.

Versicherten-, Grund-und Konsiliarpauschalen

Seit dem Quartal 4/2019 wird der Arzt-Patienten-Kontakt per Videosprechstunde über die jeweilige Grund- oder Versichertenpauschale (ausgenommen GOP 03030, 04030, 12220 und 12225) oder die Konsiliarpauschale der Strahlentherapie (GOP 25214) abgerechnet.

Hinweis:
Die bis zum Quartal 3/2019 für die Videosprechstunde abrechenbare GOP 01439 wurde zum 01.10.2019 gestrichen und durch die Vergütungsregelung über die Pauschalen ersetzt.

Eine Übersicht über die Leistungen, die Sie im Rahmen der Videosprechstunde erbringen und abrechnen dürfen, finden Sie am Ende dieses Textes.

Zuschläge

Zudem können Sie- sofern die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind – folgende Zuschläge abrechnen:

Gesprächsleistungen

GOPKurzbeschreibung / Anmerkung
01952Zuschlag Therapiegespräch für GOP 01949, 01950, 01953, 01955 (zunächst nur in 2/2020)
03230Problemorientiertes ärztliches Gespräch
04230Problemorientiertes ärztliches Gespräch
04355Sozialpädiatrisch orientierte eingehende Beratung, Erörterung und/oder Abklärungh
04430Neuropädiatrisches Gespräch, Behandlung, Beratung, Erörterung und/oder Abklärung (Einzelbehandlung)
14420Kinder- und jugendpsychiatrisches Gespräch, Beratung, Erörterung, Abklärung (Einzelbehandlung)
14222Anleitung Bezugs- oder Kontaktperson
16220Neurologisches Gespräch Beratung, Erörterung, Abklärung (Einzelbehandlung)
21216Fremdanamnese und/oder Anleitung bzw. Betreuung von Bezugspersonen
21220Psychiatrisches Gespräch, Beratung, Erörterung, Abklärung (Einzelbehandlung)
22220Psychotherapeutisches Gespräch (Einzelbehandlung)
22221Psychosomatisches Gespräch, Behandlung, Beratung, Erörterung und/oder Abklärung (Einzelbehandlung)
23220Psychotherapeutisches Gespräch (Einzelbehandlung)
30708Schmerztherapeutisches Gespräch, Beratung, Erörterung und/oder Abklärung

Einzelpsychotherapie*

GOPKurzbeschreibung / Anmerkung
35401Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (Kurzzeittherapie 1, Einzelbehandlung)
35402Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (Kurzzeittherapie 2, Einzelbehandlung)
35405Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (Langzeittherapie, Einzelbehandlung)
35411Analytische Psychotherapie (Kurzzeittherapie 1, Einzelbehandlung)
35412Analytische Psychotherapie (Kurzzeittherapie 2, Einzelbehandlung)
35415Analytische Psychotherapie (Langzeittherapie, Einzelbehandlung)
35421Verhaltenstherapie (Kurzzeittherapie 1, Einzelbehandlung)
35422Verhaltenstherapie (Kurzzeittherapie 2, Einzelbehandlung)
35425Verhaltenstherapie (Langzeittherapie, Einzelbehandlung)

Weitere psychotherapeutische Leistungen (Kapitel 35)*

GOPKurzbeschreibung / Anmerkung
35110Verbale Intervention bei psychosomatischen Krankheitszuständen
35111Übende Interventionen als Einzelbehandlung
35112Übende Interventionen als Gruppenbehandlung bei Erwachsenen
35113Übende Interventionen als Gruppenbehandlung bei Kindern und Jugendlichen
35141Vertiefte Exploration
35142Zuschlag Erhebung neurologischer und psychiatrischer Befunde
35150Probatorische Sitzung**
35151Psychotherapeutische Sprechstunde**
35600Standardisierte Testverfahren
35601Psychometrische Testverfahren

Neuropsychologische Therapie (Abschnitt 30.11)*

GOPKurzbeschreibung / Anmerkung
30931Probatorische Sitzung**
30932Neuropsychologische Therapie (Einzelbehandlung)

*Hinweise:

  • Ausgesetzt im Quartal 2/2020: Maximal 20 Prozent der jeweiligen Leistung (GOP) im Quartal dürfen per Videosprechstunde erfolgen, für den Rest ist ein persönlicher Kontakt erforderlich.
  • Voraussetzung für psychotherapeutische Leistungen per Video ist, dass zuvor ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt erfolgt ist.

**Hinweis:

In Ausnahmefällen kann eine Psychotherapie derzeit auch ohne unmittelbaren persönlichen Kontakt mit einer Psychotherapeutischen Sprechstunde oder Probatorischen Sitzung per Video begonnen werden, beispielsweise wenn dem Patienten ein Aufsuchen der Praxis nicht zumutbar ist.

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV)

GOPKurzbeschreibung / Anmerkung
51022Betreuung eines Patienten im Rahmen einer Videosprechstunde
51023Zuschlag zur Videosprechstunde

Videofallkonferenzen und Videofallbesprechungen

GOPKurzbeschreibung / Anmerkung
01442Videofallkonferenz mit den an der Versorgung des Patienten beteiligten Pflege(fach)kräften
– max. 3x im Krankheitsfall berechnungsfähig
– Voraussetzung ist, dass im aktuellen und/oder den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt in derselben Praxis stattgefunden hat.
30210Teilnahme an einer multidisziplinären Fallkonferenz zur Indikationsüberprüfung eines Patienten mit diabetischem Fußsyndrom
30706Teilnahme an einer schmerztherapeutischen Fallkonferenz
30948Teilnahme an einer MRSA-Fall- und/oder regionalen Netzwerkkonferenz
37120Fallkonferenz Pflegeheim gemäß Anlage 27 zum BMV-Ä
37320Fallkonferenz Palliativversorgung gemäß Anlage 30 zum BMV-Ä
37400Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase

Hinweis: 

Nur der Arzt/Psychotherapeut, der die Videofallkonferenz initiiert, erhält den Technikzuschlag (GOP 01450).

Schmerztherapie (ab 01.04.2020)

GOPKurzbeschreibung / Anmerkung
30708Beratung und Erörterung und/oder Abklärung im Rahmen der Schmerztherapie

Kennzeichnung

Behandeln Sie Ihre Patienten im selben Quartal ausschließlich in der Videosprechstunde, kennzeichnen Sie dies in der Abrechnung mit der Pseudo-GOP 88220.

Vergütung

Die Pauschalen nebst Zuschlägen werden in voller Höhe gezahlt, sofern im selben Quartal noch ein persönlicher Art-Patienten-Kontakt erfolgt.

Kommt der Patient im selben Quartal nicht noch einmal in Ihre Praxis und erfolgt die Versorgung damit ausschließlich per Video, werden Abschläge auf die Punktzahlen der jeweiligen Pauschale und der Zuschläge (s. Tabelle) vorgenommen:

Gruppe 1

Abschlag von 20%

Gruppe 2

Abschlag von 25%

Gruppe 3 

Abschlag von 30%

HausärzteInnere MedizinAnästhesie
Kinder- und JugendmedizinGynäkologieAugenheilkunde
Neurologie/NeurochirurgieChirurgieHals-Nasen-Ohrenheilkunde/ Phoniatrie
Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapieMund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Psychosomatik/Psychotherapie/PsychiatrieHumangenetik
SchmerztherapieDermatologie
Strahlentherapie (nur GOP 25214)Orthopädie
Ermächtigte ÄrzteUrologie
Physikalische und Rehabilitative Medizin

Limitierung der Video-Behandlungsfälle

Die Anzahl der ausschließlichen Video-Behandlungsfälle ist auf 20 % aller Behandlungsfälle des Arztes beschränkt. Für das Quartal 2/2020 wird jedoch eine Ausnahmeregelung in Kraft treten: Das Bundesgesundheitsministerium, die KBV und die Krankenkassen prüfen und schaffen aufgrund der Coronavirus-Pandemie zahlreiche Erleichterungen für die niedergelassenen Ärzte. Dies betrifft unter anderem den Bereich der Videosprechstunde, die eine „kontaktlose“ Versorgung der Patienten sicherstellen und zugleich die Ansteckungsgefahr minimieren soll.

  • Videosprechstunde weiterhin unbegrenzt möglich:
    Vor diesem Hintergrund haben die KBV und die Krankenkassen die Limitierung der Video-Behandlungsfälle auf max. 20 % der Gesamtbehandlungsfallzahl auch für das Quartal 3/2020 aufgehoben.
  • Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen:
    Seit dem 24.03.2020 kann auch die psychotherapeutische Versorgung im Rahmen der Videosprechstunde erfolgen und abgerechnet werden. Dies zunächst zeitlich befristet bis zum gilt bis 30. Juni 2020.
  • Schmerztherapie:
    Ab dem 01. April 2020 können auch schmerztherapeutische Gespräche im Rahmen der Videosprechstunde erfolgen. Diese Regelung gilt dauerhaft und nicht nur während der Coronavirus-Pandemie.
  • Unfallversicherung:
    Aufgrund der besonderen Versorgungssituation, dürfen Vertragsärzte nun auch Unfallverletzte in der Videosprechstunde behandeln. Für diese Arzt-Patienten-Kontakte kann die Nr. 1 UV-GOÄ abgerechnet werden, wobei eine entsprechende Kennzeichnung als Videobehandlung erfolgen muss. Diese Regelungen gelten zeitlich befristet bis zum 30. September 2020.

Weitere Hinweise und konkrete Hilfen zur Abrechnung Ihrer Videosprechstunden finden Sie in unserem Downloadbereich.
Sollten Sie weitere Fragen rund um Ihre Abrechnung haben, zögern Sie nicht, unsere Experten zu kontaktieren!

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