150 150 BFS

Zahnpflege weltweit

Andere Länder – Andere Methoden

Sommerzeit ist auch Ferienzeit und somit die Zeit, in der Ihre Patienten anderen Länder besuchen und die dortigen Traditionen und Bräuche erkunden. Das Thema Mundhygiene spielt auf Reisen eine ebenso große Rolle, wie die richtige Reiseapotheke. Gerade auf langen Flugstrecken oder einer Reise durch mehrere Länder, ist das Gepäck jedoch manchmal begrenzt und Hygieneartikel werden erst vor Ort gekauft. Aber wie funktioniert das, wenn vor Ort die Zahnbürsten auf einmal an Bäumen wachsen? Wundern Sie sich nicht, wenn ihre Patienten von einer Safari zurückkommen und Ihnen von der Zahnpflege mit Stöcken erzählen. Denn, obwohl der überwiegende Teil der Menschen auf der Welt mit Hilfe einer handelsüblichen Zahnbürste seine Zähne putzt, gibt es immer noch eine geringe Anzahl Menschen, die keinen Zugang zu moderner Zahnhygiene hat. Vor allem Naturvölker halten an traditionellen Zahnputzhilfen fest, um ihre Zahnhygiene zu ergänzen.

Die ersten Hilfsmittel für die Zahnpflege wurden bereits 3000 v. Ch. im alten Ägypten verwendet. Es handelte sich um kleine Kaustöcke, die zu Bürsten umfunktioniert wurden. Bis zur Zahnbürste wie wir sie heute kennen war es dann ein langer Weg, auf dem von Kuh- bis Schweineborsten und von Knochen bis Metall vieles ausprobiert wurde. Ungefähr im Jahr 1950 führte die Erfindung der weicheren, feinen Nylonborsten dazu, dass die Handzahnbürste ein günstiges Massenprodukt wurde. Doch nicht alle Menschen verlassen sich heutzutage allein auf die Dienste einer industriell produzierten Zahnbürste. Je weiter östlich wir reisen, desto vielfältiger wird die Mundhygiene.

Starten wir unsere beispielhafte Reise in Afrika und den arabischen Ländern des Nahen Ostens. Diese von der Beduinenkultur und den traditionell lebenden Naturvölkern geprägten Länder haben den altägyptischen Brauch der nachwachsenden Zahnbürste bewahrt. Die Zweige der Miswak oder Neembäume werden hier zur Zahnpflege verwendet. Dabei trennt man einen ca. 20 cm langen Stock des Baumes ab und kaut so lange auf einem der Enden, bis sich Fasern bilden, die als reinigende Bürste genutzt werden können. Während der Miswak Baum einen extrem hohen Fluoridgehalt (8 bis 22ppm) aufweist, haben die Säfte des Neembaums eine antibakterielle Wirkung. Durch das Kauen stärkt die Praktik außerdem das Gebiss und die Kiefermuskulatur.

Für weitere spannende Fachartikel klicken Sie hier!

Etwas weiter östlich, in vielen Teilen Indiens, treffen wir dann auf eine weitere traditionelle Taktik der Zahn- und Mundhygiene. Immer noch weit verbereitet ist hier eine Mundpflegemaßnahme, die die Gewürze Anis, Koriander und Fenchel beinhaltet. Eine aus den drei Zutaten hergestellte Kaupaste wird ein paar Minuten zerkaut und im Mund gewendet. Zahlreiche Öle, Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe sollen dabei nicht nur ein angenehmes Mundgefühl erzeugen, sondern auch antibakteriell und entzündungshemmend wirken. Außerdem populär in Indien ist das aus Russland und Tibet bekannte Ölziehen, das seine Wurzeln in der ayurvedischen Medizin hat. Hierbei wird der Mund 15 bis 20 Minuten mit Sesam- oder Sonnenblumenöl ausgespült. Die Flüssigkeit soll Schmutz und kariesfördernde Bakterien aufnehmen und aus dem Mund spülen. Auch in westlicheren Ländern wie Amerika genießt das Ölziehen eine gewisse Popularität. Hier wird jedoch aus geschmacklichen Gründen häufig das angenehmere Kokosöl verwendet.

Auch Patienten, die ihren Sommerurlaub in China verbracht haben, werden Ihnen gegebenenfalls von naturbelassenen Zahnbürsten erzählen. Denn, reisen wir noch weiter östlich in Asien, lernen wir eine weitere Praktik kennen. Während die chinesische Regierung davon ausgeht, dass sich im bevölkerungsreichsten Land der Welt nur ca. 35% der Menschen überhaupt regelmäßig die Zähne putzen, greifen vor allem auf dem Land lebende Chinesen ebenfalls gerne zu Zweigen. Zusätzlich wird hier aber auch der traditionelle Grüne Tee häufig als Mundwasser genutzt. Durch die im Grünen Tee vorhandenen Polyphenole und Fluoride kann das Kariesrisiko gesenkt werden.

Die Möglichkeiten, die eigene Zahnpflege mit traditionellen Praktiken zu ergänzen sind also vielfältig und oft noch dazu umweltfreundlich. Bleiben Sie gespannt, was Ihre Patienten Ihnen nach den Sommerferien über die Zahnpflege in ihren Reiseländern erzählen können.