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Kommunikation als Schutzfaktor: Was Praxen rechtlich absichert
Ob Aufklärungsgespräch, Beschwerde oder Online-Bewertung: In Arzt- und Zahnarztpraxen birgt die Kommunikation rund um den Behandlungsverlauf mehr rechtliche Risiken, als man vermutet. Im Online-Event „Kommunikation mit Patient:innen – rechtliche Risiken vermeiden“ erklärte Rechtsanwältin Lisa Wohlert von der Kanzlei für Gesundheitsrecht, worauf Leistungserbringende bei Aufklärung, Dokumentation und Konfliktgesprächen besonders achten sollten.
07.09..2026
Nicht der Fehler ist Grundlage für die Klage, sondern das Gespräch
Ein spannender Gedanke gleich zu Beginn des Online-Events: Nicht jede Komplikation führt automatisch zu einem Rechtsstreit. Entscheidend ist oft, wie Patient:innen die Situation erleben und wie anschließend kommuniziert wird. Laut den vorgestellten Zahlen des Medizinischen Dienstes wurden im Jahr 2024 insgesamt 12.304 Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. In vielen Fällen bestätigte sich der Vorwurf nicht. Dennoch waren die Beteiligten bereits Teil eines zeit- und kostenintensiven streitigen Verfahrens.
Ein professioneller Umgang mit Unsicherheiten, Nachfragen und Beschwerden kann wesentlich dazu beitragen, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und Eskalationen zu vermeiden.
Aufklärung ist mehr als eine Unterschrift
Ein unterschriebenes Aufklärungsformular allein reicht rechtlich nicht aus. Die Aufklärung muss grundsätzlich im Rahmen eines mündlichen Gesprächs erfolgen. Dabei sollten Risiken, Alternativen und mögliche Folgen verständlich erklärt werden. Ebenso wichtig ist es, das Verständnis der Patient:innen aktiv zu überprüfen und die Antworten in der Patientenakte zu dokumentieren.
Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Sprachbarrieren. Können Patient:innen die Informationen nicht ausreichend verstehen, sollten Dolmetscher:innen hinzugezogen werden.
Die zentrale Botschaft lautet: Nicht das Formular schützt vor Haftungsrisiken, sondern das nachvollziehbar dokumentierte Gespräch.
Dokumentation als wichtige Absicherung
Kommt es zu einem Streitfall, entscheidet häufig nicht die Erinnerung der Behandelnden, sondern die Patientenakte. Nach dem Grundsatz „Nicht dokumentiert = nicht geschehen“ können fehlende Eintragungen erhebliche rechtliche Nachteile mit sich bringen.
Empfohlen wird deshalb eine zeitnahe und lückenlose Dokumentation von Gesprächsinhalten, Rückfragen, Behandlungsalternativen und wesentlichen Maßnahmen. Nachträgliche Ergänzungen sollten stets nachvollziehbar und transparent sein.
Beschwerden richtig begegnen
Unzufriedenheit entsteht häufig dann, wenn Erwartungen und tatsächliche Erfahrungen auseinandergehen. Konflikte können häufig nicht auf der Sachebene gelöst werden: Wer ausschließlich mit Fakten argumentiert, verschärft den Konflikt, auch wenn jedes Argument stimmt. „Wir hatten einen Notfall, Termine sind Richtwerte“ ist sachlich richtig und trotzdem die falsche erste Reaktion. „50 Minuten sind eine lange Zeit, das würde mich auch ärgern“ kostet nichts und ändert alles. Frau Rechtsanwältin Wohlert empfahl: Erst die Beziehungsebene bestätigen und dann die Sachebene klären.
Für Konfliktgespräche werden daher ein ruhiger Rahmen, aktives Zuhören und eine wertschätzende Gesprächsführung empfohlen. Vorwürfe sollten ernst genommen werden. Wichtig: Es kommt auf den Wortlaut an, damit nicht versehentlich vorschnell die eigene Schuld eingestanden wird. Sachliche Darstellungen von Tatsachen sind dabei oftmals zielführender als Bewertungen oder Rechtfertigungen.
Vorsicht bei Online-Bewertungen
Beschwerden enden heute nicht selten auf Google oder anderen Bewertungsplattformen. Gerade hier lauern rechtliche Fallstricke. Selbst wenn Patient:innen in ihrer Bewertung Details zur Behandlung offenlegen, dürfen Praxen diese Informationen nicht öffentlich bestätigen oder kommentieren. Die Schweigepflicht gilt weiterhin.
Empfehlenswert ist stattdessen eine neutrale Antwort mit dem Angebot, das Anliegen direkt und vertraulich zu klären. Medizinische Details gehören ausschließlich in den geschützten Austausch mit den betroffenen Personen. Nicht jede negative Bewertung ist hinzunehmen: Unwahre Tatsachenbehauptungen, Schmähkritik und Bewertungen ohne tatsächlichen Behandlungskontakt müssen Praxen nicht dulden und können diese löschen lassen. Genau an dieser Stelle lohnt sich der Blick von außen, bevor man selbst antwortet – denn eine öffentliche Reaktion lässt sich später nicht mehr zurücknehmen.
Fazit
Rechtssichere Kommunikation beginnt lange vor einer möglichen Beschwerde. Verständliche Aufklärung, sorgfältige Dokumentation und ein professioneller Umgang mit Konflikten stärken nicht nur die Beweisposition von Leistungserbringenden, sondern fördern auch das Vertrauen der Patient:innen. Wer auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und wertschätzende Kommunikation setzt, kann viele Risiken bereits im Vorfeld reduzieren.
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Lisa Wohlert
Rechtsanwältin mit Schwerpunkt im Gesundheitsrecht bei Prof. Schlegel Hohmann Diarra & Partner